Hausbau oder Hauskauf?
Viele, die in Griechenland ganz oder teilweise sesshaft werden wollen, sehen sich vor dem Problem, möglichst günstig und gleichzeitig einfach und gut an ein Heim zu gelangen.
Neben der Möglichkeit, ein Haus zu mieten, die immer allen zu empfehlen ist, die erstmal 'auf Probe' hier wohnen möchten, kann man entweder ein altes Haus kaufen oder ein neues selbst bauen.

Beides hat seine Vor- und Nachteile, die aufzuschlüsseln ich hier mal versuchen werde.

Thema: Günstig
Hier hat ein altes Haus die Nase erstmal vorn.
Ihr braucht aber unbedingt einen verlässlichen Architekten oder sehr fähigen Handwerker, der Euch ungefähr sagen kann, was investiert werden muss, um das alte Haus zu einem modernen zu machen.
In alten Häusern fehlt meist die Heizung, ohne die es im Winter nicht geht, fliessendes Wasser gibt es auch nicht immer.
Zu beachten sind auch die Stromleitungen. Sie sind sehr oft in einem Zustand, der auch den eher entspannten Elektrikern hierzulande den Schweiß auf die Stirn treibt; oft sind sie auch nicht für die hohen heutigen Belastungen ausgelegt, so dass neu verkabelt werden muss.
Auch Abwasser kann ein Problem sein, wenn es entweder keine Abwasserleitung gibt, was in entlegenen Gegenden häufig der Fall ist, oder sie nur Strohhalmstärke haben und nichts anderes als Durchfall transportieren können...

Ein neues Haus hingegen könnt Ihr weitgehend selbst planen.
Bisweilen sind hier aber die Grundstückspreise so hoch wie für ein komplettes altes Haus.
Das hat seinen Grund u.a. darin, dass hier gerne abgerissen und neu gebaut wird und alte Häuser auf einem Grundstück manchmal eher einen Wertverlust für den Verkäufer darstellen.
Gefürchtet ist der Rattenschwanz an Zahlungen, die bis zu Beendigung auf Euch zukommen werden.
Niemand wird Euch im Vornherein klipp und klar einen einigermassen verlässlichen Voranschlag machen. Stattdessen wird eine Hausnummer in den Raum geworfen, und alles, worüber der Architekt selbst nicht lange nachgedacht hat, wird später dazugerechnet.
'Schlüsselfertig' gibts hier nicht, daher sollte man immer, je nach Gegend und Vertrauenswürdigkeit des Architekten/leitenden Handwerkers, 30-50% auf den genannten Preis aufschlagen.
Oft kommen bei Nachfragen auch Sätze wie: 'Ich dachte, Dir wäre klar, dass wir xy brauchen und dass das zz DRachmen kostet; hab ich also nicht extra erwähnt...'.
Also: Spielraum bei der Kalkulation lassen.


Thema: Gut
Ihr solltet natürlich kein völlig abbruchreifes altes Haus erwerben.
Bei den hiesigen klimatischen Gegebenheiten ist es sehr wichtig, dass das Dach noch 100% intakt ist. Ansonsten könnt Ihr davon ausgehen, dass die verheerenden Regengüsse zumindest das Holz im Inneren in Mitleidenschaft gezogen haben.
Am besten ist es immer, ein Haus zu wählen, in dem bis vor kurzem jemand gewohnt hat, weil man sich hier eher um die notwendigen Instandhaltungsarbeiten gekümmert hat.

Idealerweise kann man hier direkt einziehen und vor Ort die Renovierung angehen, ein unschätzbarer Vorteil, denn zum einen kann man vieles selbst machen, zum anderen kann man die Arbeit der Handwerker kontrollieren, und zuguterletzt zahlt man nicht jahrelang doppelt, weil man sich neben seinem Rohbu einmieten muß.

Qualität ist auch bei neuen Häusern grundsätzlich etwas, auf dass Ihr selbst Einfluss nehmen könnt und müßt. So werden z.B. schiefe Fußböden auch in Griechenland nicht als normal empfunden, auch wenn Euch der Handwerker da was anderes erzählt, also muß der Mann ersetzt werden...
persönliche Anwesenheit und regelmäßiges Nachfragen ist hier, wie überall sonst auch, unabdingbar, und vor jedem großen Bauvorhaben müßt Ihr darauf bestehen, gefragt zu werden, sonst steht Ihr in einem luxuriöses Bad mit Marmorfliesen und entsetzlichen Blümchenkacheln, wenn alles zu spät ist.
Dies gilt unabhängig davon, ob der Architekt/Vorarbeiter ein guter Freund ist oder teuer war
oder nichts von beidem!

Wenn Ihr den mehrjährigen Bau hinter Euch habt, dann sieht die Welt natürlich anders aus, und das neue Haus hat den Vorteil, dass es nach Euren Plänen und auf Eure Wünsche zugeschnitten ist.

Thema: Einfach
Die größten Schwierigkeiten beim Hausbau liegen hier darin, überhaupt erstmal anfangen zu können.
Es gibt zum Beispiel (zumindest hier auf Samos, erkundigt Euch unbedingt, und zwar nicht beim Verkäufer) ein Gesetz, nach dem Häuser nicht weiter als 50 Meter von der nächsten öffentlichen Straße entfernt liegen dürfen.
Euer schönes Bauland im Grünen kann also u.U. legal höchstens als Olivenhain dienen...
Darüberhinaus gibt es festgelegte Mindestgrössen; in meiner Liebligsecke bräuchte ich z.B. 4 Stremata (4000 qm), um überhaupt darauf bauen zu dürfen.
Nun kümmert man sich vielerorts nicht um solche Bestimmungen, und Ihr müßt in dem Fall selbst entscheiden, inwieweit Ihr euch durch so was evtl. Staatswillkür aussetzt oder nicht.
Wenn Ihr alles legal machen wollt, wozu ich gerade Ausländern dringendst raten möchte, braucht Ihr jedenfalls eine Baugenehmigung.
Ihr solltet darauf bestehen, dass eine Baugenehmigung existiert, bevor Ihr den vollen Preis bezahlt habt.
Dass Euer langjähriger Freund Costas Euch erzählt, das wäre alles total einfach, darf hier keine Rolle für Eure Entscheidung spielen, wenn Ihr ohne Nervenzusammenbrüche weiterleben wollt.

Die Regeln für Baugenehmigungen sind recht komplex und von Ort zu Ort unterschiedlich.
Ein Beispiel: Hier auf Samos sind viele Gegenden als Waldland ausgewiesen, auch wenn sie nicht so aussehen. Da kann man bauen vergessen. Wenn man den Wald, oder was davon übrig ist, anzündet, um PLatz zu haben, darf man erst Recht nicht mehr bauen. Gäbe es dieses Gesetz in der Umgebung von Athen, wäre es dort sicher noch viel grüner.....
Ausserdem ist zB. das Fällen von Bäumen hier ebenso genehmigungspflichtig wie in D auch.
Die meisten kümmern sich natürlich nicht drum, aber wenn Euer mißgünstiger Nachbar Euch das Marmorbad nicht gönnt...
Das heißt: Vor Ort bei offiziellen Stellen erkundigen, in kleineren Gemeinden ist also immer ein Gang zum Rathaus angesagt.

Bei alten wie neuen Häusern ist zu beachten, daß das verkaufte Haus/Grundstück auch tatsächlich dem Verkäufer gehört.
Wenn das nicht durch Grundbucheinträge belegt werden kann, dann laßt die Finger von der Sache, auch wenn Euer langjähriger Freund Costas was anderes sagt...

Bei bestehende Häusern ist das einfacher:
Da braucht Ihr selbstverständlich keine Baugenehmigung. Ihr bräuchtet für grössere Sanierungen eine, aber hier gilt das eiserne Gesetz wirklich: Verboten ist, wobei man erwischt wird.
Und da man dem Haus von außen nicht ansieht, dass es innen saniert ist, ist das tatsächlich unproblematisch.
Im Gegenteil, oft freuen sich die Nachbarn, dass jemand den alten Kasten endlich wieder hübsch auf Vordermann bringt.

Zuguterletzt eine Sorge, die viele berechtigterweise haben: Erdbebensicherheit
Es gibt Menschen, die behaupten, dass man ein erdbebensicheres Haus zwingend neu bauen muß.
Das Gegenteil ist allerdings richtig:
Wenn Ihr ein Haus seht, das seit 120 Jahren steht und keine größeren Risse in der Wand hat, dann könnt Ihr in den meisten Gegenden Griechenlands davon ausgehen, daß es schon mindestens ein Erdbeben schadlos überstanden hat. Eine bessere Aussage kann es gar nicht geben.
Neue Häuser werden hingegen oft mit einem recht abenteuerlichen Zement-/Sandgemisch hergestellt, um die eine oder andere Drachme zu sparen, und das könnt Ihr als Bauherren kaum kontrollieren.
Ansonsten ist darauf zu achten, daß das Haus, ob alt oder neu, auf Felsen steht und nicht auf Sand, was in Küstennähe oft der Fall ist. Auf Sand überfällt ein Haus im Erdbebenfall gerne die Wanderlust.

Das waren nun nicht alle Aspekte, die es zu beachten gilt; wenn jemand neue, andere oder ganz gegensätzliche Erfahrungen gemacht hat, freuen wir uns natürlich, wenn wir diesen Artikel erweitern, ergänzen oder berichtigen können.

Fazit ist:
Wer nicht unbedingt exakt *sein* Traumhaus will, ist meist besser, einfacher und billiger mit einem einigermaßen erhaltenen bestehenden Haus beraten, das dann Stück für Stück renoviert wird.
Das gilt erst recht, wenn man die traditionelle griechische Bauweise mag, die von neuen Häusern nur schlecht imitiert werden kann, wenn es nicht irrsinnig teuer werden soll...
Autor: Tobi, am 2001-10-24 11:51:19

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