Heiraten in Griechenland
Es kommt nicht von ungefähr, dass die Griechen in der Leichtathletik so hervorragende Ergebnisse erzielen; sie sind durch den dauernden Behördenmarathon sehr gut im Training. Natürlich ist auch vor einer Hochzeit eine staatlich verordnete Fitnessprüfung angesetzt, nachfolgend beschreibe ich, was *mindestens* erledigt werden muss, bevor der Bund für's Leben geschlossen werden kann.
In Griechenland sind sowohl die zivile als auch die religiöse Eheschliessung rechtsgültig, man muss also nicht zunächst standesamtlich und dann kirchlich heiraten.

Für alle Heiratswilligen, unabhängig von der Staatsbürgerschaft und dem Wohnsitz gilt, dass sie ein sogenanntes Ehefähigkeitszeugnis vorlegen müssen. Deutschen wird dieses vom Standesamt des (letzten) Wohnsitzes in Deutschland ausgestellt, gegen Gebühr ist die Botschaft dabei behilflich.

Dazu muss neben einer Aufenthaltserlaubnis oder Visum (entfällt bei EU-Bürgern) folgendes vorgelegt werden:

- Standesamtliche Geburtsurkunde
- (Ab-)Meldebescheinigung des (letzten) zuständigen Einwohnermeldeamtes
- Staatsangehörigkeitsnachweis (zB gültiger Reisepass)
- ggf. Scheidungsurteil mit Rechtskraftvermerk

Ist der Partner Grieche, sorgt er dafür, dass er folgende Papiere besitzt:

- Standesamtliche Geburtsurkunde
- Pass oder Personalausweis
- griechisches Ehefähigkeitszeugnis oder Wohnsitzbescheinigung ausgestellt vom zuständigen Polizeirevier des griechischen Wohnortes
- Personen- und Familienstandsbescheinigung vom zuständigen Bürgermeister oder Konsulat

Der Kreativität der zuständigen Beamten, was das Erfinden weiterer notwendiger Nachweise angeht, sind auch in diesem Fall natürlich keinerlei Grenzen gesetzt.

Besitzen nun beide die nötige Ehefähigkeitsbescheinigung - die natürlich vom Aussenministerium auf griechisch übersetzt wurde -, müssen sie in der lokalen Tageszeitung (!) des Ortes, in dem sie heiraten möchten, eine Heiratsanzeige veröffentlichen. Diese muss beider Namen enthalten und in griechischen Buchstaben geschrieben sein. Eine Kopie dieser Ausgabe ist für die nächsten Schritte wichtig!

Gibt es am Ort keine Tageszeitung, so kann der Gemeindepräsident es im Rathäuslein aushängen. Insgesamt entspricht dieser Vorgang dem Aufgebot.

Jetzt haben die Partner die Möglichkeit, zwischen standesamtlicher und kirchlicher Trauung zu wählen. Möchten sie beide Trauungen durchziehen, müssen alle Papiere doppelt besorgt werden.

Hat man sich für eine standesamtliche Trauung entschieden, geht man zum zuständigen Dimarcheio (Rathaus) oder wo keines vorhanden, zum Germeindepräsidenten des Wahlortes und übergibt die Papiere frohgemut. Sieben Tage nach Antragstellung erhält das Paar eine Heiratslizenz, die sechs Monate gültig ist. Mit dieser erklärt man auf einem neuen Formular den Heiratswunsch, die Behörden setzen dann den Hochzeitstag fest.

Das Paar muss zwei Trauzeugen bringen, die nichts weiter benötigen als ein gültiges Ausweispapier. Damit das System dennoch nicht an Würze verliert, müssen diese beiden Griechen sein. Hab ich jedenfalls gehört, das sollte man vor Ort unbedingt selbst erfragen.

Sehr stimmungsvoll und deshalb beliebt sind die kirchlichen Hochzeiten in Griechenland.

Der grösste Teil des Marathons bleibt derselbe, nur dass man nicht zum Dimarcheio/Gemeindepräsidenten sondern zum Priester geht und die Dokumente vorlegt. Dieser wird dann die Hochzeitslizenz im Namen des Paares bei der Verwaltung beantragen und den Heiratswunsch entgegen nehmen. Wieder entsteht eine Wartezeit, die Länge legt der Priester fest.

Ob beide Partner Christen sein müssen und ob sie gar griechisch-orthodox getauft sein müssen, obliegt allein dem Priester.Je nach Religionszugehörigkeit werden nun weitere Dokumente benötigt, die man im Einzelfall beim Priester seiner Wahl erfragen/verhandeln muss.

Aber Achtung: nach griechischem Recht ist eine kirchlich geschlossene Ehe mit einem nicht-christlichen Partner NICHT (!!!) rechtsgültig (Ausnahme: Juden, wenn eine jüdische Zeremonie vorausgegangen ist). Man erhält zwar ein hübsches Dokument, das jedoch keinerlei Rechtskraft hat.

Die hat eine Eheschliessung sowieso erstmal nicht. Denn innerhalb von 40 Tagen muss die Ehe beim Statistikamt (lixiarcheio) registriert werden. Diese Frist kann auf 90 Tage ausgedehnt werden, kostet dann aber Strafgebühr in Form von Marken (hartosima) Werden diese 90 Tage überschritten, ist die Ehe NICHT GÜLTIG! Die Registrierung kann aber ein Beauftragter übernehmen (Formular 8 N. 1599/1986, gibt's am Periptero).

Insgesamt dauert der ganze Akt mindestens 3 Monate (offizielle Angabe).

Immerhin braucht der nichtgriechische Partner seit 1984 seine Staatsbürgerschaft nicht mehr abzulegen und die griechische anzunehmen...

Viel Erfolg und eine glückliche lange Ehe wünsche ich


Autor: Carmen, am 2001-10-12 22:07:35

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