Reisen bildet
Stephans Abenteuer als Besucher in Athen: Kinderwagen, unerschütterliches griechisches Nationalbewusstsein und das beste Bifteki der ganzen Stadt inbegriffen... Nie wieder Griechenland!!!
Keine Ahnung, wie oft ich diesen Satz schon ausgestoßen habe. Mindest bei jedem Bummelstreik an griechischen Flughäfen, also schon ziemlich oft.
Aber irgendwie verschlägt es uns doch immer wieder dorthin. Klar zum einem ist meine Frau Griechin, zum zweiten haben wir ein Ferienhaus dort, aber es ist noch etwas anders, was mich zieht. Eine Art Hassliebe, vielleicht ein unheilbarer Virus, irgendetwas Paranormales, denn als normaler Mensch kann man Griechenland nicht dauerhaft ertragen.
Im Oktober sind in Berlin Herbstferien und wenn sich die ersten Blätter von den Bäumen nach unten bewegen, packt er einen wieder, der Griechenlandblues.
Schnell mal ins Internet geguckt, was der Reiseplaner auf „wetteronline.de“ sagt.
Laut Statistik der letzten fünf Jahre 25 ° C, Sonne, Wasser 22 ° C.
Nach stundenlangem Surfen habe ich dann sogar noch ein paar günstige Flugverbindungen gefunden, was gar nicht so einfach war, da auch die Fluggesellschaften die Ferientermine zu kennen scheinen. Wichtig ist dann noch ein Mietwagen, dass man vor Ort flexibel ist.
Leider versteht aber kaum ein Grieche, was ein Kombi oder 5-Türer sein soll, mittlerweile habe ich aber gelernt, dass man einen „Stationwagon“ ordern muss.
Wir planten nach Athen zu fliegen, dort ein paar Tage zu verbringen und anschließend Richtung Saloniki zu fahren und von dort nach Chalkidiki.
Am Flughafen ging dann völlig ungriechisch alles glatt. Der Mann von der Autovermietung wartete bereits und hatte einen Ford Focus Kombi dabei. Juchhu!
Am Flughafen in Berlin hatte man uns in Anbetracht unseres Gepäcks darauf hingewiesen,
dass die maximale Aufenthaltsdauer 6 Monate beträgt. Daran sind wir aber gewöhnt.
Eine Freundin meiner Frau, die jahrelang in Deutschland lebte und vor fünf Jahren nach GR zurückgekehrt ist, holte uns ab. Bei ihr konnten wir auch die nächsten Tage wohnen.
Im Auto probierte ich gleich mein neuestes High Tech-Spielzeug aus, eine PDA-Navigation.
Das Ding funktionierte tadellos und ist im Athener Stadtverkehr eine Superorientierungshilfe.
Nach einer halben Stunde kamen wir an. Die Wohnung lag in Kolonos und hatte sogar einen Parkplatz –sehr gut.

Nach dem Auspacken setzten wir uns alle auf die Terrasse, es war noch angenehm warm.
Von der Terrasse aus konnte man die Akropolis und den Likavittos sehen, vorausgesetzt jemand würde sich bereit erklären diverse Häuserblocks in die Luft zu sprengen, die die Sicht auf die beiden Highlights nahmen. Hatte ich schon erwähnt, dass die Freundin schon seinerzeit in D einen leichten Hang zu Übertreibungen und Schönfärberei hatte?
Wie sich später herausstellen sollte, muss sich durch die andauernde Sonneneinstrahlung der Effekt verstärkt haben.
Später aßen wir dann die besten Bifteki von ganz Attika, die der Lieferservice brachte.
Für mich war es eine schnöde Bullette in Schuhsohlenform mit Papppommes, aber ich glaube ich erwähnte bereits diese Tendenz zu… ja ich erwähnte es!
Kolonos ist ein relativ trauriges Viertel, wie wir am nächsten Tag sehen sollten.
Aus diesem Grund wird die Familie mit ihren drei Kindern nach Korinth ziehen, wo sie ein Haus bauen. Natürlich in traumhafter Umgebung. Dass sich die Immobilienpreise in der Region kurz nachdem die Tinte unter den Verträgen trocken war verdoppelt haben, wunderte mich nicht mehr. Ich fragte mich nur, warum jemand, der so ein Händchen für dieses Business hat, immer noch schlecht bezahlt als Krankenschwester arbeitet.
Apropos krank, letztens gab es bei „in-greece.de“ eine Debatte zum Thema Feinstaub und Umweltbelastung in Athen. Dazu kann ich jetzt allerdings ohne verbriefte Statistik anmerken, dass zwei der Kinder spastische Bronchitis haben, seit sie in Athen leben, und das es relativ normal ist, dass viele Kinder in der Schule mit diesen Inhalatoren rumlaufen. Putzen ist eine Lebens- oder Sysiphusaufgabe. Aber Vorsicht alle Angaben sind ohne Gewähr und stammen von jemand, der vorher jahrelang in D gelebt hat und diese Neigung…
Ich glaube aber in diesem Punkt ist es doch leider sehr realistisch.
Im Laufe des Abends wurden dann noch alle Hochzeiten und Todesfälle seit 1871 ausgetauscht. Irgendwann vielen wir todmüde ins Bett.

Am nächsten Tag wollten wir dann ein bisschen Athen erkunden. Das ist meine Aufgabe, schon Wochen vorher, lese ich irgendwelche Reiseführer und gucke nach Sehenswertem.
Meine Frau hat in Athen gelebt, als es noch ca. 4000 Einwohner hatte und ist mir bei so einem Stadtbummel genauso eine wertvolle Orientierungshilfe, wie eine gebürtige Chinesin.
Trotzdem weiß Sie alles besser, auch ohne PDA-Navigation und Reiseführer, ein typisch weibliches Phänomen.

Wir entschieden uns, das Auto stehen zu lassen und mit der Metro zu fahren. Eine weise Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. Wir fuhren zum Syntagma, die Metro war sehr schön. Und da es in Griechenland sogar im Untergrund sonnig ist, trägt man auch in der U-Bahn eine Sonnenbrille. Dummerweise musste meine Frau laufend irgendwelche hektischen Athener nach dem Weg zu den Bahnsteigen fragen. Das ist natürlich sinnlos, da keiner bescheid weiß. Ich gucke da lieber einfach auf die Piktogramme und bunten Bildchen, die ja weltweit gleich aussehen.

Nach einer kurzen Stärkung in der amerikanischen Botschaft (Mc Donalds), die auch in Athen zahlreiche Vertretungen hat, ging unser Spaziergang los. Erwähnte ich schon, dass wir ein sechs Monate altes Baby im Kinderwagen dabei hatten? Allein der Anblick löst bei den Athenern ein Entsetzen aus, als wären Aliens gelandet oder der Frappé billiger geworden oder die Türken wieder an der Macht.
Bei den Millionen Menschen in Athen, habe ich kaum mal ein Baby im Kinderwagen gesehen. Warum sollte mir bald klar werden. Denn die Stadt auf diese Weise zu erkunden, sollte ein Martyrium werden. Was ist denn mit der viel zitierten Kinderliebe der Griechen?
Beschränkt die sich nur darauf, dass jede Oma dein Kind anspucken (ihr wisst schon: tfff, tfff, tfff) und tätscheln will? Im Stadtbild findet sich für meine Augen nichts Kinderfreundliches wieder. Die Fußgängerwege und Bürgersteige sind schmaler als jeder deutsche Radweg und dann so zugeparkt, dass man bei einem Wechsel der Straßenseite schier verzweifelt oder den Wagen hochheben muss. Insofern gut für die Fitness. Jetzt sollte man doch meinen, dass einem wenigstens ein bisschen Mitleid entgegenschlägt, weil man auf die Schnapsidee gekommen ist, sein Baby am öffentlichen Leben teilnehmen zu lassen. Aber nichts, der bescheuerte Kinderwagenalien wir gnadenlos beiseite geschoben, abgedrängt, behindert und keinesfalls irgendwo durchgelassen. Wann werden denn die Kinder in GR das erste Mal mitgenommen zum Einkaufen? In der Pubertät oder wenn die Oma tot ist? Wo ist denn diese viel zitierte Kinderliebe??? Bitte aus jedem Reiseführer raus streichen, dass einem so viel Liebe für die Kleinen entgegenschlägt. Und diesen „Marco Polo“ werde ich verklagen, denn in seinem schlauen Buch steht nirgendwo drin, dass die vorgeschlagenen Stadtspaziergänge auf keinen Fall mit Kinderwagen zu absolvieren sind. O.K. zu Zeiten des alten „Marco Polo“ war man mit Elefanten unterwegs und da gab es dann solche Probleme nicht.

Auf jeden Fall habe ich wieder zwei Marketingideen mitnehmen können, erstens den ersten „Athen“-Reiseführer mit Insidertipps, wo man mit dem Kinderwagen unbeschadet lang kommt. Ist nur die Frage ob der bei drei Seiten Stärke ein Verkaufsschlager wird.
Das zweite Projekt wird ein Kinderwagen sein im Stil eines Monstertrucks mit zuschaltbaren V8-Motor und Allradantrieb, mal sehen, wer sich dann noch mit mir anlegt!!!

Wir zogen weiter mutig durch die Athener Innenstadt.
Am Grabmahl des unbekannten Soldaten war gerade Wachablösung, ein sehr lustiges Spektakel, die Männer in ihren süßen Röckchen zu sehen. Wir liefen durch den Nationalgarten, eine echte Oase in dieser verbauten Stadt, allerdings menschenleer.
Also nicht etwa irgendwelche unsinnigen Jogger oder Radfahrer, wie in Deutschland.
Ich glaube so viel Grün auf einmal macht dem abgehärteten Athener Angst.
Das störte mich aber nicht, dass wir diesen sehr schönen Park fast für uns allein hatten.
Unser Spaziergang führte uns durch ein Viertel, in dem sehr viele Botschaften waren.
Das fiel mir gleich an den deutlich breiteren Fußwegen auf, erst danach nahm ich die schönen Häuser war. Unser Ziel war der Likavittos. Wir hielten uns natürlich streng an Marco Polos Vorgaben, wobei Frau immer wieder ein paar Zwischenrufe ausstieß, dass der Weg total falsch wäre. Diese Chinesen!
Nach einem anstrengenden Bergaufmarsch die kleinen Straßen hoch warteten dann noch ca. 1.324.598 Stufen auf den geneigten Besucher. Hatte ich schon den Kinderwagen erwähnt?
Endlich völlig durchgeschwitzt oben angekommen, erwartete uns schon die Standseilbahn, welche alle 30 min. hochfährt. Meine Frau blieb mit dem Baby unten, da sie prinzipiell alles verachtet, was innerhalb kurzer Zeit große Höhenunterschiede überwindet. Sie ist somit die ideale Partnerin für einen besonders preiswerten Rummelbesuch.

Der Blick von dem 277 m hohen Hügel entschädigte dann für die Strapazen. Eine spektakuläre Aussicht über die ganze Stadt, einschließlich Blick zur Akropolis und bis nach Piräus. Toll!
Abwärts ging es dann deutlich leichter, hier hatte Marco Polo vergessen einige Stufen in seine Tour einzubauen, machte aber einen noch viel raffinierteren Trick. Die Tour endet nämlich im Nobelviertel Kolonaki. Zum Glück waren wir abends zum Essen verabredet, so dass ich meine Frau etwas schneller durch die Boutiquen lotsen konnte. Interessanterweise heulte unser Baby in jedem der überteuerten Designerläden, wohl ahnend, dass wenn jetzt Papa die Kreditkarte zückt, die Finanzierung seines Studiums ernsthaft gefährdet ist. Braver Junge!

Es ging zurück mit der Metro nach Hause, den Kinderwagen über Stock und Stein geschleppt durch das traurige Kolonos. Währenddessen habe ich nicht einen Spielplatz gesehen, was mir später von den Kindern auch bestätigt wurde.
Abends waren wir mit einem Kollegen von mir zum Essen verabredet. Für den, den es interessiert, ich bin Geschäftsführer in einem großen deutschen Unterhaltungselektronikanbieters, dessen Kunden nicht blöd sind und der deshalb auch demnächst nach Griechenland kommt.
Da wir gefahren wurden, weiß ich nicht genau, wo wir waren, irgendwo in der Nähe Ermou / Ag. Asomaton, in einem Restaurant mit fantastischem Blick auf die Akropolis. Es hieß „To Kouti“ und war sehr fantasievoll eingerichtet. Wir saßen natürlich draußen, in Griechenland sitzt man immer draußen (analog Sonnenbrille) und genossen den Abend.
Die Speisekarte sind voll geschriebene Märchenbücher, die Karte verfügte über wenige auch nicht so typisch griechische Gerichte, die allesamt fantastisch schmeckten. Dazu ein schöner Wein, da kann man mal wieder auf verdammt hohem Niveau leiden. Unsere Parea, war sehr angenehm, mein Kollege ist nämlich mehr Europäer als Grieche. Diese absolut subjektive Unterteilung gibt es bei mir, wobei die Europäer, diejenigen sind, die über Weitblick verfügen und GR auch durchaus kritisch sehen und auch schon mal was anderes von der Welt gesehen haben, als ihr eigenes Land. Zu den Griechen kommen wir später.
Das ungriechischste an meinem Kollegen ist, das er nicht raucht und sich im Auto anschnallt, also er ist schon ziemlich verdorben. Es wurde ein schöner Abend, wir waren wieder spät im Bett. Netterweise wurden wir sogar nach Hause gefahren.

Am darauf folgenden Tag schauten wir bei der Media Markt Verwaltung vorbei und machten dann noch einen Ausflug zu dem entstehenden Markt in Marousi. Na Carmen, soll ich Dir verraten, wo es ist?? Wir waren mit unserem Mietwagen unterwegs und durften so noch ein schönes Stück rush hour und Verkehrschaos miterleben. Ich empfand es aber nicht mehr so schlimm wie noch vor Jahren, als ich das erste Mal in Athen war. Bin ich durch die vielen Ausflüge nach Saloniki schon abgehärtet? Jeder der über den Berliner Verkehr schimpft, sollte mal in Athen fahren.
An unserem letzten Abend wollten wir unsere Gastgeber zum Essen einladen und ich befürchte, dass wir nach diesem Abend dort nicht mehr anklopfen brauchen.
Wir fuhren wieder Richtung Plaka giro giro, so dass mir schon fast schlecht war, fuhren durch eine Fußgängerzone und parkten dann völlig unorthodox irgendwo in der Steppe.
Das ist das Schöne an Athen, du fährst mit dem Auto zum Essen, suchst einen Parkplatz und merkst, dass Du fast schon wieder zu Hause bist und besser gleich hättest laufen können.
Das Restaurant war in der Nähe einer Kirche, ich hatte das Gefühl, das es auf der gegenüberliegenden Seite des Restaurants vom Vortag war. Es waren Bahnschienen nebendran. Wir saßen wieder draußen, obwohl es schon empfindlich kühl war.
Der besonders unfreundliche Kellner fungierte gleichzeitig als Speisekarte und brüllte seine Offerte in den Abendhimmel. Wir bestellten von allem ein bisschen. Bereits bei den Vorspeisen merkte ich aber, dass wir zum Vortag einen deutlichen kulinarischen Abstieg vollzogen. Ich lobte aber alles in höchsten Tönen, denn das wir bei einem der besten Griechen
Athens waren, ahnt der Leser bereits schon.
Im Verlauf des Abends kam dann natürlich die befürchtete Griechenlanddiskussion auf.
Das Griechenland das beste Land der Welt ist und die Demokratie und die Philosophie hervorgebracht hat, weiß ich ja hinlänglich. Aber was das mit dem Hier und Jetzt zu tun hat?
Ich meine, die Ägypter hatten auch schon Pyramiden als der Neandertaler noch mit einem Fell bekleidet und einer Keule in der Hand durch die spätere Bundesrepublik tappte.
Wer schon einmal den Film „My Big Fat Greek Wedding“ gesehen hat, wird sich an den Familienvater erinnern, der erklären konnte, dass alles aus dem griechischen kommt.
Sogar der Kimono, abgeleitet von Chimona (der Winter), es ist kalt also trägt man einen Morgenmantel - > Kimono. Ja der Film ist wirklich lustig, aber jeder der öfter in Griechenland war und wie ich eine Griechin geheiratet hat und auch getauft wurde, empfindet den Film von Mal zu Mal eher als Tatsachenbericht, denn als Satire.
Christos, der Ehemann unserer Bekannten muss in direkter Linie vom Filmvater Portokalos abstammen.
Im Übrigen kann ich nur davor warnen, sich ernsthaft mit den Einheimischen vor Ort einzulassen. Es ist immer so ein Wunschtraum der deutschen Urlauber doch nicht immer nur mit den Hotelangestellten, die wahrscheinlich auch noch jahrelang in Deutschland gelebt haben, zu philosophieren, sondern mal „echte“ Griechen zu treffen. Ich kann das verstehen, warne aber eindringlich davor, da ganz schnell die schöne Griechenlandillusion wie eine Seifenblase zerplatzen kann. Also noch mal, eine Diskussion mit echten Griechen ist nur für Hartgesottene. Während wir Deutsche, wahrscheinlich bedingt durch unsere Historie, so etwas wie Nationalstolz kaum versprühen, außer am rechten Rand der Gesellschaft, hat der Grieche etwas, was sich durch dieses Wort überhaupt nicht auch nur annähernd beschreiben lässt. Ich persönlich würde es gestörte Wahrnehmung nennen.
Fakt ist für die Griechen ist Griechenland das beste Land der Welt, lustigerweise kommen die Griechen kaum aus ihrem eigenen Land hinaus, was ja auch unnötig ist, da sie von allem das Beste haben!!!
Ich möchte jetzt hier nicht den ganzen Abend wiedergeben, aber vielleicht ein paar Highlights der Diskussion. Da mein griechisch nicht so dolle ist, war ich eher passiver Zuhörer und Souffleur meiner Frau, die unheimlich gern bis aufs Messer diskutiert. Das störte Christos ohnehin, eine Frau mit eigener Meinung war ihm suspekt.

„Griechenland hat überall Meer, Sonne, Strand und Wald“, sagte Christos.
„Ich sagte stimmt, aber was könnt Ihr dafür? Deutschland hat weniger Sonne, die Ostsee und die Nordsee, na ja und Wald ohne Ende.“
„Ja aber ihr habt nur im Norden Meer, das ist weit weg.“
„Ich sagte ja von Berlin zwei Stunden, soviel Zeit wie der Athener, der nicht gerade in Glyfada wohnt, wahrscheinlich durch Staus auch braucht. Wie weit ist das Meer von Kastoria entfernt?“
„Das ist was anderes. Aber jeder Deutsche würde doch lieber in Griechenland leben!“
„Klar bei gleichem Gehalt wie in Deutschland und so lange er noch keine Ahnung von den Besonderheiten des Landes hat. Wieso fährst Du kein griechisches Auto (fährt BMW)?“
Ich hatte ohne, dass Christos es merkte, versucht die Hebammenmethode (Mäeutik) anzuwenden. Diese stammt von Sokrates und versucht durch geschicktes Fragen, den Gegenüber selbst zur Erkenntnis zu bringen. Ich hoffte, dass er nun antworten müsste, es gibt keine griechischen Autos, aber leider prallte meine Rhetorik voll an ihm ab und er antwortete:
„Gustaro!“ (ich mag es)
Da war ich baff und seit dem antworte ich auf jeden Unsinn, den ich verzapfe, der sich nicht wirklich vernünftig erklären lässt meiner Frau: „Gustaro!“ :-))
„Aber allen Griechen haben Immobilien, Plantagen, Häuser…“
„Richtig, denn bis vor einigen Jahren hat sich Deutschland ein System geleistet, in dem es so unbedingt nicht notwendig war, privat vorzusorgen z.B. durch eine Immobilie. Deshalb der hohe Anteil Mieter, das wird sich mit Sicherheit zukünftig ändern.“ Dazu sei angemerkt, dass sich in ihrer Wohnung noch nicht mal eine Steckdose im Bad befindet. Aber wahrscheinlich haben sich die schlauen Griechen auch dabei etwas gedacht. ;-)
„Aber das Leben, das gute Leben – kalo Zoi! Das gibt es nur in Griechenland“
Na ja als Berliner kann ich nicht gerade behaupten, dass in meiner Stadt wenig los wäre, obwohl Christos mir das heftig einreden wollte.
„Warum sind denn so viele Griechen ausgewandert?“, frage ich.
„Das sind die allerschlimmsten! Die hatten in Griechenland nichts und denen geht es in Deutschland und anderswo noch schlechter.“ Ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen, da eine der Regionen mit besonders vielen Griechen in Deutschland Stuttgart ist und dort so armselige Firmen wie Porsche und Daimler sind. Meine Frau wurde zur Furie, da sie selbst vor 20 Jahren ausgewandert ist. Ich kann den Leser aber beruhigen, sie ist dadurch nicht unverschuldet in Not geraten – es geht ihr gut.
Christo preiste noch das griechische Sozialsystem, von dem ich gar nicht wusste, das eines existiert, dass diesen Namen verdienen würde. Die Hauptlast trägt die Familie.
Zum Glück sorgte die zunehmende Müdigkeit der anwesenden Kinder für ein Ende der Diskussion und des Abends.
Meine Frau duellierte sich dann noch 3 h zu Hause auf der Terrasse mit Christos, ich zog das Bett vor. Zum Schluss haben sich dann alle wieder vertragen.
Am nächsten Tag reisten wir ab und da beginnt dann der Teil der Geschichte, in der ich euch erzählen werde, warum kein Mensch ein Ferienhaus braucht und warum braun werden so wichtig ist.

Autor: stephan, am 2005-10-31 19:05:16

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