DSL und Voice over IP (VoIP)
So langsam ist es an der Zeit, mal über meine ersten Erfahrungen mit DSL und Internettelefonie zu berichten.
In den letzten 2 Jahren hat sich ja vieles hier in atemberaubendem Tempo geändert..
1. DSL
Einige Ballungsgebiete ausgenommen, wo es haufenweise Anbieter gibt, ist man auf Leitungen der OTE oder von Forthnet angewiesen.
Die Standardrate ist dabei 128kb Upload- und 384kb Downloadgeschwindigkeit, wo man, wenn man deutsche Verhältnisse gewöhnt ist, nur schmunzeln kann, aber wenn man sich keine Filme aus dem Netz saugt, reicht es eigentlich prima aus.
Forthnet und OTEnet liefern sich einen kleinen Preiskampf, leider auf recht hohem Niveau, und in der Regel liegt Forthnet leicht vorn.
In ländlichen Gegenden kann es aber immer ratsam sein, seine Leitung von OTE zu beziehen, denn wenn mal eine Störung auftritt (und das passiert leider bisweilen), ist in jedem grösseren Dorf ein Ansprechpartner vorhanden.
Ich habe meine DSL-Leitung von der OTE und meinen DSL-Internetzugang von Forthnet.
Ist für mich etwas günstiger, Forthnet hat zudem eine etwas bessere Anbindung ins Ausland, und bei der OTE trat dauernd das Phänomen auf, dass die Übertragungsrate jeden Tag für ein, zwei Stunden völlig eingebrochen ist - und zwar immer nach Schulschluss...

2.Voice over IP
So nennt man das Telefonieren übers Internet, und was vor ein paar Jahren noch die schönste Illusion war, ist mittlerweile, soviel vorweg, ohne weiteres möglich.
Was braucht man dafür?
Zum einen einen DSL -Anschluss. Angeblich funktioniert das auch mit ISDN, aber erstens gerät man damit an dessen Kapazitätsgrenzen, zweitens spart man nicht wirklich Geld, weil man ja jede Minute für den Zugang bezahlt, es gibt nunmal keine ISDN-Flatrate.
Dann braucht man ein IP-Telefon.
Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man besorgt sich ein echtes IP-Telefon - sieht aus wie ein echtes und funktioniert auch so, oder man "übt"erstmal mit einem Headset und einem sogenannten Softphone am Computer.
Wer schon ein Headset hat, sollte in jedem Fall damit beginnen, auch sonst ist es ratsam, denn die Einrichtung ist sehr einfach. Auf jeden Fall sollte es ein USB-Headset sein (gibts z.B. von Logitech)
In jedem Fall ist es ratsam, sich bei dem DSL-Anschluss einen DSL-Router mitzubestellen, denn das hat zwei Vorteile:
Zum einen filtert der Router ein- und ausgehende Datenströme und es ist nicht möglich, "auf Verdacht" von aussen einen hinter dem Router angeschlossenen Computer zu erreichen. So bekommt man ohne jeglichen Aufwand gleich eine Menge Sicherheit extra.
Zum anderen benötigt ein "echtes" IP-Telefon einen eigenen Anschluss im Netzwerk, und mit einem Router ist es möglich, mehrere Geräte gleichzeitig ans Internet anzuschliessen - ohne Extrakosten.
Ein beliebter und gängiger Router hierzulande ist das Alcatel SpeedTouch 510. Kann ich empfehlen, funktioniert gut, lässt sich für Voice over IP verwenden (und das gilt nicht für alle!!) und kostet nur knapp 60 Euro.

Welche Anbieter gibt es?
Zum "Reinschnuppern" kann man es erst einmal mit Skype versuchen.
Skype bietet die Möglichkeit, mit anderen Teilnehmern kostenlos zu telefonieren, wenn diese gerade dort angemeldet sind.
Man hat auch die Möglichkeit, ein Prepaidkonto aufzuladen und damit ins Festnetz zu telefonieren.
Gerade dies ist ja interessant für uns Auswanderer, die öfter mal Mutti in Deutschland anrufen wollen, aber Mutti hat ganz sicher keinen Skype-Account.
Mit Skype ist es ausserdem nicht möglich, ein externes IP-Telefon zu betreiben, ausserdem kann man aus dem Festnetz nicht angerufen werden.
Dafür ist es puppenleicht einzurichten, das Softphone kann man sich umsonst downloaden, es funktioniert eigentlich sofort, wenn man seine Benutzerdaten eingegeben hat.
Skype benutzt allerdings ein eigenes Übertragungsprotokoll, das zu keinem anderen VoIP-Anbieter kompatibel ist.

Richtig Geld sparen kann man dann mit einem "echten" VoIP-Anbieter.
Für Deutschland finde ich zur Zeit SipGate am empfehlenswertesten.
Ich habe mich unter anderem deswegen fuer Sipgate entschieden, weil man bei denen keine Vertraege abschliessen muss und auch keine Grundgebuehr zahlt - ideal zum Ausprobieren also, und nein, ich kriege von denen leider kein Geld fuer diesen Hinweis....
Dieser Dienst bietet die Möglichkeit, bei der Registrierung eine eigene deutsche Telefonnummer zu bekommen, auf der man von überall günstig angerufen werden kann.
Da bei der IP-Telefonie für die Preise der Anbieter ausschlaggebend ist, wo der Angerufene im Verhältnis zum Anbieter sitzt und nicht, wo der Accountinhaber wohnt, ist es immer sinnvoll, einen deutschen Anbieter zu wählen, wenn bei Euch viele Gespräche nach D anfallen.
Sipgate bietet z.B. ein Paket, bei dem man 1000 Minuten nach Deutschland für 8,90 Euros erhält. Egal, ob man selber in Griechenland sitzt oder in Papua-Neuguinea.
Zum Vergleich: Dieselbe Zeit zum OTE-Normaltarif kostet ca. 240 Euros.
Da ich dieses Volumen locker ausnutze, spare ich jetzt monatlich diesen Betrag, und man sieht, dass sich hier auch das teuerste IP-Telefon sofort bezaht macht...
Wer nicht so viel telefonieren möchte, füllt sein Prepaidkonto bei Sipgate auf und zahlt dann 1,79 Cent pro Minute nach Deutschland (Statt 24....)
Das Sahnehäubchen:
Gespraeche zu Teilnehmern desselben Netzwerkes sind kostenlos! Man zahlt also nur noch die Flatrate fuer das DSL.
Zum Sipgate-Netzwerk gehören neben derem englischen Ableger auch deutsche VoIP-Schwergewichte wie Freenet und GMX.

Die Einrichtung des Softphones ist im Normalfall nicht weiter knifflig.
Man kann sich von Sipgate ein für den eigenen Account vorkonfiguriertes Softphone herunterladen, das gibt es für Windows und Mac OSX.
Auf den Supportseiten finden sich auch weitere Hilfen zu diesem Thema, falls mal etwas nicht sofort klappt.

Wer nun selber über das Internet angerufen werden möchte, sollte spätestens hier die Anschaffung eines IP-Telefons in Erwägung ziehen. Wer (ausser mir) sitzt schon den ganzen Tag mit Kopfhörern vor dem Bildschirm?

Die Qualität:
überraschend gut.
Was auffällt: Zum einen darf man keine Wunder erwarten. Wenn die eigene Stimme etwas blechern klingt, kann man darüber angesichts der Ersparnis auch nur lachen. Wenn die Leitungen stark belastet sind oder man mit einer Firma telefoniert, die ihre Telefonanlage nicht im Griff hat, kann es auch mal zu leichten Verzögerungen kommen. Das ist dann etwas lästiger, aber man gewöhnt sich auch daran (Ich sage nur "220 Euro gespart"...)
Wer "nur" einen DSL-Anschluss für Normalsterbliche besitzt, also nicht den überteuerten Superschnelltarif, der sollte sich während des Telefonierens grosse Up- und Downloadaktivitäten im Internet verkneifen, sonst wird die Stimme zerhackt, schlimmstenfalls kommt es zu Aussetzern.
Aber es ist ja eh unhöflich, während eines Telefonates Emails zu versenden....

Womit wir zum Schluss auf ein recht technisches Thema kommen:
In Deutschland (und auch vom Hardware-Onlineshop von Sipgate) werden neuerdings DSL-Router mit integrierten VoIP-Fähigkeiten angepriesen. Bei diesen stöpselt man sein VoIP-Telefon direkt in den Router, und dieser sorgt dafür, das die Telefon-datenpakete vorrangig behandelt und so Störungen vermieden werden. Feine Sache eigentlich.
Ich habe keines davon getestet, würde aber davon zunächst abraten.
Diese Geräte sind auf den deutschen DSL-Standard ausgelegt, der sich von vielen hiesigen DSL-Anschlüssen unterscheidet.
Diese Gerate können dann in GR nur mit einigem Aufwand betrieben werden und in keinem Fall ohne etwas Sachkenntnis.
Mit ist kein Anbieter in GR bekannt, der sowas anietet, bin aber dankbar für diesbezügliche Hinweis im Forum.

Alles in allem kann man VoIP inzwischen guten Gewissens allen empfehlen, die DSL nutzen oder sowieso nutzen wollen.
Wer viel ins Ausland telefoniert, spart ungeheuer, und wer nicht viel telefoniert, zahlt ja auch nicht, denn es gibt ja keine Grundgebühr!


PS:
Für Fragen und Anmerkungen zu diesem Thema gibt es einen Thread im Forum. Bittebitte keine privaten Mails... =8-)
Autor: Tobi, am 2005-07-15 14:20:45

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