Eine schrecklich nette Familie
So dann war es also mal wieder so weit, wir nutzten die Pfingstferien um einen Abstecher nach Griechenland zu machen.
Schließlich wollte die Verwandtschaft doch wissen, wie es unserem kleinen Aristoteles so geht, der am griechischen Nationalfeiertag geboren wurde.
Außerdem müssen wir ja mindestens einmal im Jahr gucken, wie es unserem Ferienhaus so geht.
Also flogen wir nach Athen, um dort unseren Mietwagen abzuholen.
Da unsere Familie mittlerweile fünf Personen zählt und so viel Gepäck transportiert, dass man uns beim „check in“ regelmäßig fragt, ob wir wieder nach Deutschland zurückkommen und
außerdem noch ein Kinderwagen zu transportieren ist, hatte ich einen Van geordert, der meiner Frau am Vortage noch telefonisch bestätigt wurde. Es sollte ein Peugeot 807 sein – prima!
Die Dame am Schalter hatte aber nur einen Fiat Scudo, bei diesem Fahrzeug handelt es sich um einen Transporter, den üblicherweise Handwerker fahren, der um einige Sitzreihen ergänzt wurde. Mit Verlaub eine absolute Mistkarre, die wir schon während eines anderen Urlaubs testen durften. Ich protestierte und wollte meinen Peugeot.
Da meine Frau auf griechisch aber viel besser fluchen kann, als ich auf englisch, übernahm sie den Part und lieferte sich mit der Frau ein gewaltiges Wortgefecht, welches sich aber als sinnlos erwies, da der Peugeot ja nicht da war und am Vortag jemand anders entspannt telefonisch die Zusage gemacht hatte, wie das in GR so üblich ist.
Als man dann in der Diskussion beim Thema Europa war, mischte ich mich kleinlaut ein, ob es nicht sinnvoller wäre, nach einer Lösung zu suchen.
Diese fand sich dann in Form eines Nissan X-Trail, der ausreichend Platz bot und kulanterweise zum selben Preis angeboten wurde. Happy ending, denn ich wollte schon immer mal in GR mit einem Jeep fahren, denn manchmal ist der bei den Straßenverhältnissen echt nötig.
Wir fuhren nach Patras und es war schon dunkel, was mich ziemlich nervte, da ich nicht gern im Dunkeln auf griechischen Straßen fahre. Zum Glück fährt ein Großteil der entgegenkommende Fahrzeuge schön mit Fernlicht und um das ganze noch zusätzlich zu steigern mit Nebelscheinwerfern, die im ordentlichen Deutschland erst bei Sichtweiten unter 50 m benutzt werden dürfen. Ich fahre seit Jahren nach GR, aber ich hatte noch nie Nebel,
aber jeder Mal… blendet einen damit. Es gibt aber noch eine Steigerung, man fährt mit Standlicht und Nebelscheinwerfern, ja was soll denn das??? Bitte kläre mich jemand auf!
Zu später Stunde kamen wir an und wurden mit großem Hallo begrüßt.
Den kleinen Ari störte weder der Flug, noch die lange Autofahrt, noch dass ihn alle abknutschten und auf dem Arm halten wollten. Der Bursche erträgt mit seinen zwei Monaten mehr als ich mit 35. Und mal ehrlich, die Knutscherei, kann manchmal auch echt unangenehm werden. Ein anderer griechischer Bekannter von uns, der nach langer Zeit in D heute wieder in GR lebt, erklärte mir später, als wir ihn besuchten, wie man durch eine geschickte Armdrehung den angreifenden Knutscher abwehren kann. ;-)
Wir fielen todmüde in unser steinhartes Bett um am nächsten morgen erstmal in den trüben Maihimmel zu blicken. Kein gutes Wetter zum Grillen, es sah nach Regen aus und es sollte,
da wir Ostern um eine Woche verpasst hatten, trotzdem noch einmal Lamm extra für uns geben. Unsere Verwandtschaft lebt in einfachen Verhältnissen, versucht aber uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Das hilft einem mal wieder zu erkennen,
wie gut es uns in Deutschland geht.
Um ein bisschen wach zu werden, schwang ich mich unter die Dusche.
(Frage: gibt es das Wort „Wasserdruck“ im Griechischem überhaupt?)
Diese hat zwei Einstellungen, zum einen Eiswürfel, zum anderen Verbrennungen dritten Grades. Mit viel Feingefühl kriegt man das nach endlosen Minuten in denen man sich abwechselnd unterkühlt und verbrennt hin.
Entgegen meiner sonstigen Angewohnheit, die Dusche beim Einseifen auszuschalten, mache ich das dort nie, da man die Einstellung nie wieder hinbekommt. Obwohl es ja gerade in GR sinnvoll wäre, das kostbare Wasser zu sparen.
Aber einen ernsthaften Sparzwang, konnte ich eh nicht erkennen. Der Wasserhahn im Bad
lässt das Wasser oben heraussprudeln, so dass man beim Zähneputzen das Gesicht gewaschen bekommt. Das spart auf jeden Fall Zeit. Lustigerweise sind zwei Familienmitglieder Schlosser. ;-)
Gegen Mittag war der Himmel aufgeklart und wir konnten endlich mit dem Grillen beginnen.
Dazu gräbt man eine kleine Kuhle in die Erde, gibt Holzkohle drauf, zwei gegabelte Metallstangen in die Erde gehauen und darüber das aufgespießte Lamm. Sukzessive werden diese dann mit einem ordentlichen Hammer immer weiter in die Erde getrieben.
Kein Grieche benutzt diese albernen Motoren, die man in den Supermärkten sieht.
Es wird von Hand gekurbelt, durch das nahe Feuer gerät man ins Schwitzen und hat eine gute Begründung, warum man schon am vormittag eine Kiste Bier austrinken musste.
Nach ein paar Stunden war das Lamm fertig und lecker.
Wir aßen und tranken noch lange. Nebenher lief eine dieser griechischen Sing- und Tanzsendungen (stin iyamas oder kitas tiekaneis). Diese finde ich irgendwie faszinierend.
Da sitzen in lustiger Runde mehrere Sänger und Sängerinnen und geben nacheinander live einen zum besten, zerschmeißen Teller und werfen Blumen wie bei einer Bouzoukia.
Da es davon mittlerweile drei Formate gibt, war meine Frage, wo denn der Sinn der Sendungen ist. Die einfache Antwort war, dass sich viele den Besuch der Bouzoukia nicht mehr leisten können (komischerweise sind die aber trotz horrender Preise immer voll) und sich so das Feeling über den Fernseher nach Hause holen.
Am nächsten Tag fuhren wir zu einer Freundin nach Amaliada, um sie und das Grab ihres Mannes zu besuchen, als ich etwas erlebte, was ich vielleicht in Amerika vermutet hätte.
Der Friedhof als „drive in“. Kein Witz, man konnte mit dem Auto auf den Friedhof drauf fahren, nicht etwa auf einen extra dafür angelegten Parkplatz, sondern die Trauernden (wir natürlich nicht!) fahren bis direkt an die Grabstelle ihrer Angehörigen, steigen aber dann wenigstens aus dem Auto aus.
Wieder zurück in Patras aßen und tranken wir wieder miteinander, gingen aber diesmal früh zu Bett, da am nächsten Tag über 600 km Fahrt Richtung Thessaloniki auf dem Programm standen. Das klingt ja für dt. Verhältnisse nicht so viel, zieht sich in GR aber gewaltig hin.
Endlich konnte ich auch mal die zum Glück wieder reparierte Brücke Rio-Antirio befahren.
Das ist schon ein Highlight, welches aber auch fürstliche 10 € kostet.
Spart gegenüber der Fähre (4,50 €) unheimlich viel Zeit, aber ich frage mich, wen interessiert das in GR. Die Brücke war für mein Gefühl auch nicht so stark befahren.
Es fehlte auch der Kick, den einem die Einweiser beim Parken bis auf wenige Millimeter vermitteln. Außerdem kann man an Bord der Fähre für das gesparte Geld einen Frappé schlürfen und trifft auch bestimmt jemanden, den man kennt, zum Klönen.
Zwischendurch machten wir noch halt bei „Goodys“ dem griechischen „Mc Donalds“ und waren wieder überrascht, wie konsequent das Thema Kundenorientierung hier verweigert wird. Ich hasse es ja prinzipiell, wenn man in einem Fast Food Restaurant auf sein Essen warten muss, denn man geht ja da hin, weil man keine Zeit hat. Üblicherweise setzt man sich dann schon hin, knabbert an dem was bereits fertig ist und wartet, dass einem ein netter Mensch den Rest vorbeibringt. Nicht so in GR, klar auch da kommt ein freundlicher Mitarbeiter vorbei, aber nicht um einem das Essen zu bringen, sondern lediglich mitzuteilen, dass es fertig ist. Wäre ja auch Quatsch, wenn der jenige es schon dabei hätte. Nachher gewöhnt der Kunde sich an solchen Luxus und will es immer so haben!
Nach 7,5 Stunden waren wir endlich am Ziel und gingen dann später in ein nettes Restaurant, wo wir seit Jahren gut bedient werden und der Koch und Inhaber exzellent kocht. Satt und todmüde fielen wir in unsere Betten.

So das war der erste Teil eines weiteren Kapitels in meinem persönlichen absolut subjektiven Griechenland Tagebuch. Wenn ich ein bisschen Zeit finde kommt Teil zwei.
Autor: stephan, am 2005-06-29 18:45:11

Kontakt | GotoHellas | Nach oben | | Archiv-Modus | RSS-Synchronisation