Auslandssemester in Thessaloniki, Griechenland 23/09/03 - 18/02/04
Um das Erlebte aufzuarbeiten, aber auch in der Hoffnung, anderen helfen zu können, schreibe ich das hier auf. Natürlich kann ich nicht garantieren, dass alles in einigen Jahren noch genauso sein wird, aber wer Griechenland kennt, weiß, organisiert, also völlig anders, wird's wahrscheinlich nicht sein. Eleni Koutousi - wer sich an dieser Uni bewirbt, hat den Namen wahrscheinlich schon einmal gelesen und sollte ihn sich gut merken. Sie ist die einzige Person die für alle incomings zuständig ist, und das waren im Wintersemester 03/04 immerhin etwa 300 Leute und im Sommer dem Wetter entsprechend noch mehr. Anscheinend soll es bald noch eine zweite Ansprechperson geben, aber das glaube ich erst, wenn mir das wer persönlich bestätigt. Unsere gute Miss Koutousi, zu Beginn war sie unser erklärter Feind, mit der Zeit bekamen wir aber immer mehr Mitleid mit ihr. Auf jeden Fall verbringt man viel Zeit vor dem ERASMUS-Büro, das sich im Administration Building (Κτίριο Διοικήσεως) im ersten Stock befindet. Es ist täglich von 11:00 bis 13:00 geöffnet, zumindest in den stressigen Zeiten am Anfang und Ende des Semesters bietet es sich an, so früh wie möglich sein Lager dort aufzuschlagen, da es schon passieren kann, dass man um 13:00 heimgehen muss, egal wie lange man gewartet hat.
Es ist überaus wichtig, sich in der Woche vor der Ankunft mit ihr in Verbindung zu setzen, am besten telefonisch, da sie e-mails gerne nicht beantwortet. Dann erfährt man auch schon etwas über die Wohnung oder das Studentenwohnheim, je nachdem für was man sich beworben hat. Die Ankunft sollte man nicht zu früh legen, weil es einem dann passieren kann, dass kein Zimmer zur Verfügung steht (so geschehen bei zwei Mitbewohnerinnen, die Anfang September nicht in das leere Heim einziehen durften. Es war bis zum 20. September nur ein Zimmer belegt, ich kann aber nicht sagen, ob in dieser Zeit wirklich in allen anderen Zimmern Reparatur-Arbeiten durchgeführt wurden).
Beim ersten Treffen mit Miss Koutousi drückt sie einem einige Zettel in die Hand, darunter auch ein Plan vom Uni-Campus (ganz wichtig, weil ziemlich groß). Am besten macht man sich dann sofort auf den Weg zu seinem Koordinator, von dem man u.a. erfährt, wie man zu seinem Paso kommt. Dieses Stück Papier (Studentenausweis) erleichtert einem das Leben in Griechenland ganz maßgeblich – verbilligte Tickets (Stadt- sowie Überlandbusse, Zug, Fähre), gratis Eintritt in alle Museen und Archäologischen Stätten, verbilligte Kinokarten, etc.

Weitaus weniger dringend ist es, die Miete einzuzahlen und mein Tipp, lasst euch damit noch Zeit, falls ihr die Möglichkeit nutzt, in der ersten Woche die Unterkunft zu wechseln.
Ich habe im Kassandrou gewohnt, es ist das teuerste Heim Es gibt dort nur zwei Einzelzimmer mit eigenem Bad und Küche, die an ERASMUS-Studenten vermietet werden. Die meisten Einzelzimmer teilen sich zu zweit ein Bad und eine Küche, natürlich gibt es auch Doppelzimmer. Die Zimmergröße ist sehr unterschiedlich, und der Begriff "fully equipped kitchen" aus der Information ist so zu interpretieren, dass es eine (oder zwei) Herdplatten, einen Kühlschrank und ein Regalbrett gibt.
Das Heim hat 20 Zimmer auf 4 Stöcke verteilt und ist neu und sauber. Es gibt eine gemeinsame Waschmaschine, einen Trockner, ein Bügeleisen und ein Karten-Telefon im Eingangsbereich, aber keinen Gemeinschaftsraum. Bei den Zimmern ist ein Fernseh- und Radioanschluss inkludiert, das Telefon muss aber persönlich freigeschalten werden. Dafür muss man der Hausverwalterin neben den € 100.- Kaution für das Zimmer noch einmal € 100.- geben, bekommt man aber wieder zurück, wenn man den Telefonanschluss nachweislich abgemeldet und bezahlt hat. Das Haus ist sehr gut verwaltet und man kann jederzeit wegen kleinerer Reparaturen (oder auch nur neuer Glühbirnen anrufen). Trotzdem ist der Preis viel zu hoch, weil man in Thessaloniki ohne weiteres eine Wohnung für € 150.- plus Betriebskosten bekommen kann. Dementsprechende Zettel mit der Aufschrift "ΕΝΟΙΚΙΑΖΕΤΕ" (zu vermieten) hängen überall in Uninähe und mir ist kein Fall bekannt, in dem länger als 2 Tage eine Wohnung gesucht wurde.
Es gibt noch zwei weitere Studentenwohnheime: Matsi und Efxinos Leschi (Vasilisis Olgas). Beide besitzen Gemeinschaftsküchen, wobei ich nur die Küche in letzterem kenne (und dort nicht kochen würde!), ich kann nicht sagen, ob die Ausstattung besser ist als in Kassandrou. Die Zimmer in Matsi sind sehr klein und duschen kann man nur auf der Toilette sitzend; außerdem gibt es dort keine Waschmaschine. Im Vasilis gibt es teilweise keinen Strom und keine Heizung, die Küche ist wie erwähnt sehr dreckig und ich würde das Heim nur Leuten empfehlen, die unbedingt in ein Partyheim wollen.

Das Wintersemester startet offiziell am 01/10, am Anfang des Wintersemesters findet aber im Allgemeinen ein Streik der Professoren statt. Aus diesem Grund kann der genaue Beginn nicht so einfach angegeben werden, weil es von Professoren, die ihre Kurse trotzdem abhalten, bis zu solchen, die bis zum Streikende nicht mit Studenten reden, alles gibt. Die Kurse finden bis Weihnachten statt, im Januar und Februar ist Lern- und Prüfungszeit. Das Sommersemester dauert von Anfang März bis Ende Mai, die Prüfungen finden im Juni und für griechische Studenten auch im September statt.

Eines der größten Probleme ist wahrscheinlich die Sprache. Außer an der JUS-Fakultät und bei Fremdsprachen-Studien sind alle Kurse auf Griechisch und es gibt auch Professoren, die kein Englisch sprechen (obwohl sie dann meist eine andere Fremdsprache können). Generell kann aber gesagt werden, dass die Lehrenden sehr hilfsbereit sind und die ERASMUS-Studenten müssen ihre Prüfungen nicht auf Griechisch abhalten. In meinem Fall musste ich nur die Labor-Übungen mit Anwesenheitspflicht besuchen, wenn man kein Griechisch spricht, macht es auch nicht viel Sinn, in die freiwilligen Vorlesungen zu gehen. Allgemein kann man sagen, dass man als ERASMUS-Student nicht in die einheimischen Studenten integriert wird. Entweder man darf ohnehin nur zuschauen oder wenn mehrere ERASMUS-Studenten einen Kurs besuchen, müssen diese eine eigene Gruppe bilden.
Ich würde jedem, der sein Auslandssemester in Griechenland verbringen will, raten, so viel Griechisch wie möglich zu lernen. Es gibt zwar viele Leute, die sehr gut Englisch sprechen, aber es kann nicht allgemein angenommen werden, da in Griechenland die Sprachausbildung hauptsächlich durch privaten Unterricht erfolgt. Am Studienbeginn muss von den griechischen Studenten zwar eine Fremdsprache belegt werden, welche steht jedoch frei. In den Sekretariaten spricht kaum jemand Englisch und ältere Menschen können ohnehin eher Deutsch. Es ist auf jeden Fall von Vorteil, immer ein Wörterbuch bei sich zu haben.
Eine gute Möglichkeit, Griechisch zu lernen, sind die Kurse der Modern Greek School. Es gibt einen zweiwöchigen Gratis-Kurs für ERASMUS-Studenten, allerdings nur für Anfänger, und 10- bzw. 20-Stunden pro Woche Jahreskurse, die aber auch nur ein Semester lang besucht werden können. Die Preise sind für Studentenverhältnisse nicht billig und darum sollte man sich überlegen, ob man wirklich Griechisch lernen will. Die meisten ERASMUS-Studenten hören nämlich wegen der anspruchsvollen Kurse bald mit dem Mitlernen auf und profitieren fast gar nicht. Der 20 Stunden Kurs ist ohnehin nur für Leute zu empfehlen, die Neugriechisch studieren und somit keine anderen Lehrveranstaltungen haben.
Es wird mit jedem ein Einstufungstest durchgeführt und wenn man trotzdem im falschen Kurs sitzt, kann man relativ problemlos wechseln. Das Büro der Modern Greek School ist täglich von 12:00 bis 14:00 geöffnet. Ach ja, wundert euch bitte nicht, wenn man euch zum Lungenröntgen schickt, denn das ist Pflicht, wenn man einen längeren Sprachkurs besucht.

Ein großes Problem ist der Internet-Zugang. Es ist nur erlaubt, die Computerräume der eigenen Fakultät zu benützen. Dabei existieren aber große Unterschiede, großes Glück haben Studenten der Anglistik oder der Landwirtschaft, da ihnen große Computerräume mit neuen PCs zur Verfügung stehen und diese außerdem den ganzen Tag geöffnet haben. Die meisten Computerräume schließen um 14:00 und besitzen eine schlechte Qualität in der Ausstattung und der Internet-Verbindung. In meinem Fall (als Studentin der Biologie) war es unmöglich an der Universität das Internet zu benutzen.
Jeder Student kann aber einen Account beantragen und erhält dabei eine billige Einwahlnummer, um das Internet von zu Hause aus benützen zu können. Dafür benötigt man von seinem Sekretariat eine Bestätigung, dass man Student ist (der Studentenausweis reicht nicht aus). Damit bekommt man in der Informatik-Abteilung im 1.Stock des Biologiegebäudes einen Usernamen und ein Passwort. Für einen neuen Telefonanschluss braucht man zuerst eine tax-number (die Adressen der verschiedenen tax-offices hängen z.B. in der Modern Greek School aus). Damit kann man dann bei der OTE einen Anschluss beantragen. Dieser kostet 30 Euro plus Steuern und wird ein paar Tage später durchgeführt.

Ein großes Plus hingegen ist die Gratis-Verpflegung in der Mensa (Λέσχη). Offiziell muss man sich dafür anmelden, wofür man eines der tausenden Passfotos braucht (im Schnitt waren es 8, also genügend mitnehmen). Aber kontrolliert wird nie und man muss auch nicht wie ein Student aussehen, weil dort auch einige 60+ regelmäßig ihre Mahlzeiten einnehmen. Jedenfalls gibt es mittags und abends ein Menü, bestehend aus einer Hauptspeise, Salat, Brot und Dessert (meistens Obst, manchmal etwas Süßes). Selbst für geübte griechisch Esser von zu Hause, ist es schwer, anhand des Speiseplans herauszufinden, was man oben dann aus dem Loch gereicht bekommt, darum bietet es sich an, sich der längeren Schlange an Griechen anzuschließen. Na ja, meist hatte ich dazu nicht die Geduld, aber seither bin ich ein erklärter Fan von Arakas und Fasolada. Zum Erstaunen einiger Griechen (aber interessanterweise lebten die alle noch zu Hause) essen die ERASMUS-Studenten eigentlich alle immer in der Mensa (auch wenn man es am Anfang nicht glaubt, man gewöhnt sich daran), sie ist ein richtiger Treffpunkt und mittags wird danach meist ein Kaffee im Discocafe getrunken, zumindest war das bei uns die Tradition, ich wäre mal gespannt, ob das bei späteren ERASMUS-Generationen auch noch so ist und freue mich über diesbezügliche Rückmeldungen.

Zu einer weiteren Gratis-Leistung gehört die Benutzung der Sporthalle. Mit – was sonst – einem Foto kann man sich dort im Büro (täglich von 15:00) einen Ausweis ausstellen lassen und danach Bälle und andere Sportgeräte ausleihen, sowie diverse Sportkurse besuchen. Interessanterweise war im Aerobic-Kurs die Hälfte der Besucher ERASMUS, obwohl die Trainerin kein Wort Englisch konnte ("τι σημαίνει κεφάλι στα αγγλικά;" ich meine wenn man einmal Englisch gelernt hat, sollte man zumindest "head" wissen!). Wir haben zum Erstaunen der Griechen eine ERASMUS-Mädchen-Fußballmannschaft gegründet, war echt lustig.

Natürlich geht's nicht nur um's Studieren und auch wenn Thessaloniki nicht so gute Verkehrs-Verbindungen wie Athen bietet, kann man doch einige Ausflüge machen.
Das billigste Verkehrsmittel in Griechenland ist der Zug! Dafür sind die Verbindungen bescheiden und die Züge mehr als von vorgestern (mal abgesehen vom Intercity, aber dann fällt der Preisvorteil auch schon wieder weg). Man kann auf jeden Fall gratis Sitzplätze reservieren und das würde ich auch jedem empfehlen, weil es einem sonst im beliebten Nachtzug nach Athen schon passieren kann, dass man steht. Es gibt auch ein paar internationale Verbindungen (Bulgarien, Türkei), dafür bietet sich z.B. das Balkan-Ticket an, 5 Tage innerhalb eines Monats kann man am Balkan (auch innerhalb Griechenlands) rumdüsen, um ziemlich wenig Geld, ich glaube, es waren 48 Euro. Wenn wir schon am Bahnhof sind, von dort fahren auch Busse nach Bulgarien, Türkei und Albanien ab.
Flexibler und viel griechischer ist man aber mit den KTEL-Bussen, weil man damit einfach überall hinkommt. Es gibt in Thessaloniki eine große KTEL-Station, die man mit verschiedenen Bussen aus der Stadt erreichen kann (1 vom Bahnhof, 31 von der Kamara, 8 von IKEA und mit der 78, dem Flughafenbus).
Um Baden zu gehen, bietet sich Chalkidiki an, aber Vorsicht – das ist eine eigene KTEL Station, die man mit der Buslinie 14 (leider weiß ich den Namen der Bushaltestelle nicht mehr, sonst beim ersten Mal einfach in ein Taxi setzten und hinbringen lassen, kostet ja auch fast nichts) erreicht. Vom IKEA (zu dem man mit der 2, 3 und 8 kommt) könnte man noch mit der 69 nach ΕΠΑΝΟΜΗ (Epánomi) oder mit der 72 nach ΝΕΑ ΜΗΧΑΝΙΩΝΑ (Néa Michanióna) fahren, die Strände sind nicht so schön, aber viel näher.
Und gleich beim Uni-Gelände in Richtung Meer verläuft die Angelaki.Straße, wo sich eine Autovermietung an die nächste reiht. Eigentlich muss man 23 sein, um ein Auto auszuleihen, aber wie gesagt, sind wir ja in Griechenland.
Es gibt in Nordgriechenland vieles zu besichtigen, mich haben Meteora, der Olymp, die Petralona-Höhle, Vergina und Edessa am meisten beeindruckt, gesehen habe ich aber viel mehr. Am besten ist es, sich im Vorhinein einen Reiseführer zu besorgen. Und im Sommer kann man natürlich auch ein paar Abstecher zu Inseln machen.

Und dann noch das Fortgehen. Eigentlich muss das jeder für sich entdecken, erster Treffpunkt ist auf jeden Fall immer die Kamara (für alle die's nicht wissen, auch bekannt als Galerius Bogen, aber jeder sagt Kamara). Dort in der Nähe gibt es jede Menge Cafes und Tavernen, je näher es ans Meer geht, umso teurer wird die ganze Sache, und die Griechen nuckeln nicht umsonst den ganzen Abend an einem Getränk! Vor 01:00 braucht man eigentlich nicht auf ein Unifest oder in eine Bar oder Disco (eher noch später) gehen, weil alles leer ist. Zum Anfangen ein paar Tipps: rund um die Straße "Mitropóleos" und in "Ladádika" kann man ganz gut weggehen. Im Sommer wandern die Discos in Flughafennähe.

Ja es ist schwer, alle seine Eindrücke zusammen zu fassen und es gäbe natürlich noch viel mehr zu berichten. Wer Fragen hat, kann sich ja bei mir melden: jutta.helm@gmx.at
Im Anhang füge ich noch ein paar hilfreiche links ein, aber ich will euch das Stöbern nicht abnehmen, weil ich meine Infos aus zahlreichen Quellen habe. Und es schadet wirklich nicht, sich im Vorhinein so gut wie möglich zu informieren, weil man dann trotzdem noch immer völlig ahnungslos ist. Macht's gut und ich beneide euch, weil ihr das alles noch vor euch habt. Es war die schönste Zeit meines Lebens!

Autor: Greekfreak, am 2004-08-09 10:09:54

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