Regenwassernutzung in Griechenland
Erfahrungen und Tipps - Stand 2001


PLANUNG UND BERATUNG

Weil die Wasserversorgung für unser Haus auf Lefkas anfangs ungesichert war, haben wir schon in der Planungsphase im Untergeschoß neben der Garage zwei Zisternen von je 30 m³ Fassungsvermögen eingeplant.

Vor der endgültigen Verwirklichung haben wir uns in Deutschland über die hygienischen Voraussetzungen kundig gemacht. Den Fachmann dazu fand ich über den BUND am Bodensee. Er hatte jahrelange eigene Erfahrung und hat uns sehr geholfen bei der Verwirklichung des Vorhabens. Nebenbei: wir haben noch immer freundschaftlichen Kontakt mit ihm und er hat unser „Werk“ auch schon vor Ort besichtigt. Zu Beratungen in diesem Bereich steht er immer noch gerne zur Verfügung.

BAUWEISE

Die Zisternen sind als Betonwannen von etwas über 2 m Tiefe angelegt und im oberen Teil durch je ein kleines Fenster mit lichtdichten, verschließbaren Läden zugänglich. Wände und Boden sind von einem griechischen Fachbetrieb mit einer zähen Folie abgedichtet, die Decken mit dem üblichen (blaugrünen) Dämmmaterial isoliert. Beide Kammern sind mit einander verbunden, so dass ein Austausch stattfinden kann.



ZULAUF

Das Regenwasser wird über einen Filter und einen „beruhigten Zulauf“ von den Dachflächen über Dachrinnen und von den Dachterrassen über Fallrohre eingeleitet. Der Filter ist ein rein mechanisch wirkendes Teil, der sehr einfach zu reinigen ist. Er soll lediglich die gröberen organischen Verunreinigungen zurückhalten. Er ist in einem Schacht eingebaut, zu dem alle Zuleitungen hinführen. Vom Filter geht eine Zuleitung direkt in den „beruhigten Zulauf“, der das Wasser unten in die Zisternen einschichtet. So wird kein Bodensatz aufgewirbelt.



ÜBERLAUF

Ein Überlauf, der dicht unter dem Kontrollfenster aus der Zisterne herausführt, und der mit einem sog. Nagerschutz versehen sein muss, führt überschüssiges Wasser in einen Brunnentrog und von dort zu den Oleanderpflanzen in unserer abschüssigen Einfahrt. So wird auch dieses Wasser noch sinnvoll verwendet.



HYGIENE

Ganz wichtig ist der Hinweis, Wände und Boden der Zisternen niemals zu reinigen. Auf den Wänden bildet sich nämlich ein Biorasen von Mikroorganismen, der das Wasser biologisch klärt und der Bodensatz, der nach und nach entsteht, adsorbiert den größten Teil der eingeschwemmten chemischen Substanzen.



TRINKWASSER

Wir haben das glasklar wirkende Wasser zweimal im Labor der Stadtwerke München untersuchen lassen und haben jedes Mal „Trinkwasserqualität“ bestätigt bekommen. Zum Trinken benützen wir es aber nicht, weil es als fast vollständig demineralisiertes Wasser einfach nicht gut schmeckt. Aber, wie es der Zufall will, haben wir 15 Gehminuten vom Haus eine Quelle mit hervorragendem Trinkwasser, das wir alle paar Tage zur Versorgung mit den Rucksäcken holen.



TEMPERATUR UND WÄRMESPEICHER

Im Sommer wird das Zisternenwasser zu warm und wird bei uns mit einer Wärmepumpe auf unter 15°C gehalten. Da wir die Wärmepumpe auch im Winter als Zusatz zur Solarheizung brauchen, lag es nahe, so zu verfahren. Im Winter dient nämlich der Wasserkörper von 60 m³ Regenwasser als zusätzlicher Wärmespeicher für die Heizung, der durch die Wärmepumpe angezapft wird, wenn die Sonne mal längere Zeit nicht scheint.



FÜLLMENGE

Im Winter läuft die Zisterne natürlich ständig über, im Mai dagegen geht das Regenwasser langsam zur Neige. Dann füllen wir mit dem inzwischen eingetroffenen Gemeindewasser auf. Für die Verhältnisse in Lefkas hätten wir gut und gerne eine 120-m³-Zisterne bauen können – auch die wäre im Winter voll geworden und hätte vielleicht bis zum Beginn der Regenzeit im Oktober ausgereicht.

Fritz Gross - Lekas
Autor: SIFI38, am 2004-01-29 18:08:56

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