Schwangerschaft und Entbindung in Griechenland (ein sehr persönlicher Bericht)
Vielleicht nützt dieser Bericht auch nur einer Schwangeren als Entscheidungshilfe. Dafür ist er gedacht, und darum ist er sehr persönlich gehalten (anders geht es nicht). Wer sich nicht für die persönliche Geschichte einer Entbindenden interessiert, der möge diesen Bericht nicht lesen ;-).
Um das mal Pferd von hinten aufzuzäumen, unsere Tochter Lydia Miriam, ein süßes kleines Engelchen, wurde am 14.09.2003 auf der Kykladen-Insel Syros geboren, mit 3050gr Gewicht und 50cm Länge, einem alle begeisternden dunklen Haarschopf und furchtbar niedlichem Aussehen (was wahrscheinlich alle Eltern von ihrem Kind behaupten, das wissen wir schon!). Sie tat uns den Gefallen und kam eine Woche früher als Termin.

Ich hatte viel Glück und die Schwangerschaft verlief sehr gut mit wenig Beschwerden. Ich kam mit Wadenkrämpfen und am Ende häufig geschwollenen Füßen und Knöcheln durch, und übel wurde mir kein einziges Mal. Obwohl ich von allen bemitleidet wurde, im griechischen Sommer hochschwanger zu sein, war es gar nicht so schlimm, denn es war der kühlste Sommer, den ich je in Griechenland erlebt habe. Wir hatten zu meiner großen Erleichterung fast immer unter 30°C. Witzigerweise erlebte Nordeuropa den heißesten Sommer seit Langem.

Die laufenden Untersuchungen während der Schwangerschaft waren, hm, na ja, ungewöhlich. Es gibt auf Paros einen Frauenarzt am öffentlichen Krankenhaus, wo ich recht regelmäßig hinging. Allerdings musste ich ihm mehr oder weniger sagen, was getan werden musste, was ich auf Grund meiner Bücher und Dank dem Internet wusste. Blutuntersuchungen und dergleichen musste ich ihm regelrecht abbetteln, und ohne mein Wissen hätte ich die Termine für die Ultraschall-Untersuchungen auch nicht wahrgenommen. Die erste große Untersuchung nach Herausstellen der Schwangerschaft ließ ich in Athen machen. Wenn ich allerdings gewusst hätte, was für ein Aufwand das würde, hätte ich die 350 Euro netto sicher ausgegeben, die die kleine private Klinik auf Paros dafür verlangte. Alle „Insulanerinnen“, die bei der IKA versichert sind, müssen zur IKA nach Piräus, einem etwa 5-stöckigen Gebäude, das aussieht, als wenn es jeden Moment zusammenfällt. Erstmal mussten wir aber auf Paros zum Kardiologen (!), der der IKA-Verantwortliche der Insel ist, um unsere Überweisung für die etwa 12 verschriebenen Untersuchungen zu bekommen. In Piräus wurden dann die 12 Untersuchungen in etwa 5 verschiedenen Räumen auf 3 Stockwerken in 2 verschiedenen Gebäuden (mehrere Blöcke voneinander entfernt) an 3 verschiedenen Tagen vorgenommen, nachdem man auch schon lange im Voraus einen Termin gemacht hatte. Die Untersuchungsergebnisse konnte man dann nur zu bestimmten Zeiten – natürlich jedes Ergebnis zu einer anderen Zeit, insgesamt an 3 verschiedenen Tagen – abholen. Kurzum, es war ein Vollzeitjob für etwas über eine Woche. Ich gehe davon aus, dass Schwangere in Griechenland normalerweise nicht arbeiten oder aber eine Armee an bereitwilligen nicht arbeitenden Helfern zur Verfügung stehen haben. Es gab noch einige andere Komplikationen, z.B. war das eine Gebäude, wo ein Teil der Untersuchungen statt fand, doch nicht der IKA angehörig, so stand ich vor der Wahl, entweder zu bezahlen oder nochmal eine Odyssee durch Piräus zu unternehmen, um eine richtige zuständige Stelle zu finden. Da ich den ganzen Morgen schon nüchtern geblieben war, verzichtete ich dann darauf und zahlte. Und am Ende, nach einer weiteren Odyssee den richtigen Stempeln hinterher, fehlte uns genau ein Stempel, um das Geld für die Fähre wiederzubekommen...

Alle weiteren Untersuchungen ließ ich dann auf Paros im privaten Medical Center machen, was zwar kostete, aber zumindest nur Geld und keine Nerven oder Zeit. Ich bin froh, dass ich keine komplizierte Schwangerschaft hatte, somit konnte ich es mir leisten, das Ganze etwas lockerer anzugehen.

Ein gesundheitliches Problem hatte ich im Mai, das sich nicht in Griechenland lösen ließ, ich zog mir nämlich einen Hexenschuss zu, der von allein nicht mehr wegging und äußerst schmerzhaft war. Ein chiropraktisch ausgebildeter Physiotherapeut weigerte sich, mich wieder einzurenken, „weil ich im 6. Monat war“. So musste ich – da ich keinen „willigen“ Orthopäden oder Chiropraktiker in Griechenland fand –nach Deutschland fliegen, wo ein Orthopäde mich so wieder einrenkte („natürlich, besonders eine Schwangere muss man wieder einrenken, da ist doch die Belastung viel größer“), dass ich nach 3 Tagen so gut wie schmerzfrei war. Nun ja, wieder um eine Erfahrung oder Erkenntnis – und einen Deutschlandaufenthalt ;-) – reicher!

Der eigentliche Stress war für uns das Drumherum. Eine Vertretung für mich als Rezeptionistin in der Pension zu finden – die Emails und Buchungen habe ich bis zum Schluss selbst bearbeitet – oder die Entscheidung zu fällen, wo ich entbinden wollte z.B.! Lange wälzten wir die Möglichkeiten hin- und her, in Deutschland oder in Griechenland, privat oder staatlich, in Athen oder wo, denn auf unserer Insel Paros gibt es keine Entbindungsklinik oder dergleichen. Da ich nicht so weit weg sein wollte von zu Hause und mein Partner Sakis die Möglichkeit haben sollte, schnell zu kommen, entschieden wir, dass ich auf der Insel Syros im dortigen staatlichen Krankenhaus entbinden würde. Natürlich nicht ohne dort vorher das Krankenhaus zu besuchen und den Arzt kennen zu lernen, was wir im Juli taten und wozu ich den Bericht „Arztsuche auf Griechisch – Oder der Countdown läuft“ geschrieben habe. Etwa 6.000 Euro für eine Entbindung in einer privaten Klinik kamen für mich gar nicht in Frage, da wäre ich lieber nach Deutschland gegangen*. Obwohl auffallend viele Deutsche mir rieten, ich sollte lieber in Deutschland entbinden, dachte ich mir, Kinder kriegen die Frauen doch überall, so muss es doch auch in Griechenland machbar sein. (*Eine Erkundigung ergab: in Deutschland hätte ich legal auf KV-Kosten entbinden können auf. Mit dem Schein E111 bis zur 38. Woche und danach mit dem Schein E112, ausgestellt von der IKA, zur Einreichung bei einer KV in Deutschland. !!!Alle Angaben ohne Gewähr!!!)

Ende Juli hörte ich endlich auf zu arbeiten und scherzte fortan, dass ich doch jedes Jahr schwanger würde, um ja die anstrengende Hochsaison nicht arbeiten zu müssen. Ich hatte aber trotzdem genug zu tun, denn ich war ja auch etwas schwerfälliger geworden und musste noch einiges fürs Baby besorgen. Letzteres war für mich schon sehr anstrengend, da ich trotz des Internets und meiner vielen intelligenten Bücher keinen großartigen Überblick hatte, schließlich ist es ja mein erstes Kind und ich habe mich vorher kaum für solche Sachen interessiert. Glücklicherweise bekam ich im August Besuch von meiner kindererfahrenen Freundin Carmen; sie nahm mich an die Hand und wir besorgten so nach und nach alles, was frau so braucht... Außerdem musste ich ein Bisschen angetrieben werden, weil ich es doch etwas seltam fand einzukaufen für etwas, das noch gar nicht „da“ war.

Wir gingen auch viel Kaffee trinken, bummeln usw. – für mich schon eine sehr außergewöhnliche Erfahrung während der Hochsaison! –, solange meine Füße mich trugen, und erlebten dabei manch lustige Situation. Da ich nun offensichtlich hochschwanger war, machten sich viele Leute offenbar Sorgen, ich könne rechtzeitig abzureisen vergessen. Als ich einmal einen Geschenkeartikel-Laden betrat, fiel mich der Eigentümer ohne Umschweife an mit der Frage, in welchem Monat ich sei. In einem Café sah ich nach dem Verdrücken eines riesigen, leckeren Crépes etwas sehr Interessantes auf der Theke, und als ich sagte, das sähe lecker aus, was das denn sei, meinte der Kellner „für dich sieht doch jetzt alles lecker aus“!

Ende August etwa sollte es dann nach Syros gehen. Der Frauenarzt („K.“) hatte gesagt, dass ich bis zur 38. Woche nach Syros kommen sollte, falls das Baby etwas früher vorhatte auf die
Welt zu kommen. Eigentlich wollten meine Eltern im September kommen, um mir auf Syros um die Entbindung herum Gesellschaft zu leisten, aber leider wurde mein Vater krank und brauchte eine Operation, so dass meine Schwägerin Lucy mitkam, damit ich nicht allein auf Syros sein musste (Sakis konnte ja wegen der laufenden Saison noch nicht länger weg bleiben).

Um nicht in die Verlegenheit zu kommen, mit Wehen evtl. auf die Fähre steigen oder gar auf Paros entbinden zu müssen, sind Sakis und ich dann am 31.08.03 nach Syros gefahren, und ich hatte da bereits das Gefühl, es wäre höchste Zeit. Auch hierzu war die allgemeine Meinung sehr unterschiedlich; die einen meinten, warum ich nicht schon längst weg wäre, die anderen, ich würde aber früh fahren. Eine Bekannte von mir fuhr erst 3 Tage vor ihrem errechneten (und tatsächlichen) Entbindungstermin nach Athen, aber das wäre mir zu spät gewesen. Mein errechneter Entbindungstermin war ca. um den 21. September.

Zur Zeit unserer Überfahrt nach Syros gab es eine furchtbare Hitzewelle, und der Tag nach unserer Ankunft war – bei ca. 40°C – mit dem ersten Arztbesuch und der Hotelsuche (die erste Nacht haben wir in einem teuren Hotel verbracht, das für eine längere Verweildauer ungeeignet und zu teuer war) gefüllt und wir waren am Ende total fertig.

Am frühen Montag Morgen wurde es dann Ernst, d.h. wir wollten zum Arzt, aber in der Klinik angekommen teilte man uns mit, der Arzt wäre zu einem Notkaiserschnitt gerufen worden und wir sollten später wiederkommen. Als wir das dann taten, saßen wir mit ca. 15 weiteren Hochschwangeren in einem kleinen Wartebereich, wo es nicht genügend Stühle für alle gab, und es ging da für meine Begriffe höchst chaotisch zu, so dass mich erstmal die Panik überkam ob meiner Entscheidung, auf Syros zu entbinden. Ich sagte scherzend zu Sakis, ob er irgend eine Möglichkeit sähe, die Lufthansa dazu zu überreden, eine in der 38. Woche schwangere Frau mitzunehmen (den Bauch zu verstecken war ja jetzt keine Option mehr!). Aber wir kamen bald dran (mit Hilfe des bereits aus meinem „Arztsuche“ bekannten Vermittler wurden wir schnell hineingeschleust) und der Arzt sah sofort meine geschwollenen Füße und verordnete mir einen Bluttest und weiteres für den nächsten Tag. Ich machte einen Wehentest, und da ich bereits Vorwehen hatte, sollte ich in der Nähe bleiben und auf keinen Fall wieder nach Paros fahren. Das hatten wir ja sowieso nicht vor. Mittlerweile war ich wieder etwas beruhigt und hatte die Gedanken an die Lufthansa aufgegeben, da der Arzt und die Hebammen trotz des Durcheinanders dort anscheinend wirklich einen Überblick hatten und sehr nett waren. Außerdem war die Atmosphäre im Krankenhaus sehr nett und ungezwungen, auch zwischen den wartenden Schwangeren und dem Personal. Die, die sich kannten, scherzten miteinander und die Neuen wie ich wurden ausführlich über Entbindungdatum und Schwangerschafts“eckdaten“ ausgefragt.

Den Bluttest machte ich am nächsten Morgen und am Donnerstag holten wir das Ergebnis ab, und obwohl der Arzt da eigentlich keine Sprechstunde hatte, wurden wir vorgelassen. Ohne auf seine Papiere zu schauen erinnerte er sich sofort an mich und meine „Elefantenfüße“, was mich
doch beeindruckte, da er mich ja am Montag nur einmal kurz gesehen hatte und außerdem seit Kurzem der einzige Frauenarzt im Krankenhaus war, da der andere wegen eines Herzinfarktes ausgefallen war, und somit mehr als genug Patientinnen hatte.

Im Krankenhaus auf Syros muss man für jede „größere Sache“, z.B. Bluttest oder CTG, erst eine kleine Gebühr bezahlen in einem Büro im Erdgeschoss („Nr. 30“), wofür man, damit es schnell geht, eine Art Identitäts-Nummer bekommt, die man nur jedes Mal zu nennen braucht. Die Quittung gibt man dann beim Arzt oder der Hebamme ab. Wenn man möchte, kann man vorher zur IKA (oder welcher KV man nun gerade ist) gehen und eine „Überweisung“ bekommen, so dass man die Gebühren gar nicht bezahlen muss, aber mir war die immer geringe Gebühr lieber als mich nochmal lange bei der IKA anzustellen (einmal CTG hat z.B. etwa 14 Euro gekostet). Alles in allem war es alles sehr gut organisiert und ging recht fix, manchmal haben sie etwas auch ganz zwanglos ohne Quittung gemacht. Und die Hochschwangeren nahmen sie auch immer etwas schneller dran als die anderen Wartenden. Der eigene Zuschuss für die Entbindung, den man am Schluss entrichtete, betrug 235 Euro (inkl. Essen).

Sakis musste ja wegen der laufenden Saison leider nach 2 Nächten wieder zurück fahren, was schon ein komisches Gefühl war, aber seine Schwester kam bald nach und leistete mir Gesellschaft. So begann also eine Wartezeit mit unbestimmtem Ende und unser Tagesablauf sah so aus, dass wir gemütlich frühstücken gingen, dann einkaufen, bummeln oder ins Internet-Café, dann nach Hause, Mittagschlaf machen, dann nachmittags Kaffee trinken und vielleicht wieder ins Internet-Café, dann Abendessen, danach Lesen oder Fernsehen und früh ins Bett. Es war so entspannend, dass ich nach langen Monaten irgendwann sogar wieder meine Füße und Knöchel zu sehen bekam. Ich sah plötzlich Venen, von denen ich gar nicht mehr wusste, dass es sie gab!

Überall, wo wir hinkamen und Stammgäste wurden, neckte man uns täglich, ob es denn immer_noch_nicht so weit wäre! Der Eigentümer des (übrigens einzigen und nicht sonderlich sauberen) Internet-Cafés in der Hauptstadt hatte verschiedene Einfälle, wie man mir zu einer schnelleren Geburt verhelfen könnte, wie z.B. mich den Berg hoch fahren und dort absetzen, damit ich runter laufen konnte. Überhaupt fanden wir die Menschen auf Syros sehr zugänglich und freundlich, und ihr Geschäftsgebaren war für uns ungewöhnlich professionell, wohin man auch ging.

Ganz so dringend wollte ich die Geburt aber denn doch nicht herbei zwingen. Leider gab es in Ermoúpoli keinen Strand und wir waren zu faul, mit dem Bus auswärts zu fahren. Einmal nahm uns Isabella, die Deutsche, die ich übers Internet kennen gelernt und die auf Syros fünf Monate früher als ich entbunden hatte, mit zum Strand (sie zwang uns förmlich dazu, ich war ja wegen der Hitze und dem schweren Bauch doch etwas faul geworden!), wo wir einen schönen Nachmittag verbrachten. Isabella sollte sich als Segen herausstellen, aber dazu mehr später (mein Dank wird www.gotohellas.de, über die ich Isabella kennen gelernt habe, ewig nachschleichen! Nicht nur, dass sie mir in allem half, sie besorgte uns auch gebrauchte Babysachen in Massen.). Meine Mobiltelefonrechnung schnellte in die Höhe, da ich fast gar keine Emails schreiben konnte und verstärkt auf SMS auswich.

Ich stellte mir immer wieder bestimmte Daten vor und sagte, dieses oder jenes Datum wäre ein schönes Geburtsdatum, was Lucy fast zur Verzweiflung trieb, weil sie irgendwie nichts damit anfangen konnte. Jedenfalls wollte ich unbedingt nicht am 11. September entbinden. Am 10.09. war aber Vollmond und ich bekam Wehen, so dass wir nachts in die Klinik fuhren. Glücklicherweise war das blinder Alarm und man ließ mich nach einer Nacht zur Beobachtung in der Klinik wieder nach Hause fahren.

Am darauffolgenden Samstag allerdings, dem 13.09., bekam ich deutlich Wehen im 10- bis 15-Minuten-Takt und da dachte ich mir schon, bald ginge es los. Wir verbrachten den Tag wie üblich mit Kaffee trinken und so und alle sagten uns, ich sollte doch schnellstens in die Klinik fahren. Allerdings hatte mir der Arzt beim letzten Fehlalarm eingebläut, erst wiederzukommen, wenn die Wehen mindestens eine Stunde lang alle 3 bis 5 Minuten kamen. Soweit war es dann tatsächlich nachts um ca. 4h, mittlerweile am Sonntag, dem 14.09., so dass wir ein Taxi nahmen und gegen 5h in die Klinik fuhren. Die dortige Hebamme maß am CTG recht starke Wehen, die aber noch keine Auswirkung auf den Muttermund hatten, so dass noch gar nichts geschah. (Übrigens: die Muttermunduntersuchung wird hier mit der Hand (!) durchgeführt!) Komischerweise wurden die Wehen dann erstmal viel schwächer und kamen erst nach ein paar Stunden, vielleicht gegen 10h, ernstzunehmend wieder.

Die Hebamme, die ich bekam, war eine sehr burschikose und anfangs etwas grummelig, und ich kannte sie noch nicht. Da ich dort bereits viele Hebammen kennen gelernt hatte, die alle sehr lieb waren, war ich zunächst etwas geschockt, aber Isabella sagte mir, diese habe trotzdem das Herz am rechten Fleck und ich solle mir keine Sorgen machen. Bis auf die Muttermunduntersuchung, die sie recht unsensibel durchführte, weshalb sie von mir den Spitznamen „die Hand“ bekam, war dann aber alles weitere okay. Sie war recht unkompliziert und hatte nichts dagegen, dass ich mich bis auf den BH auszog, weil mir so heiß war, und dass Isabella und ihr Sohn und draußen meine Schwägerin dazwischen herumhüpften.

Isabella wurde zur Assistentin, verantwortlich für das CTG und was auch immer anfiel, und zwischendurch wurde sie von mir zum Arzt oder zur Hebamme geschickt, um zu fragen, was denn nun als nächstes geschehen würde, wenn die Wehen so stark wurden, dass ich dachte, gleich geht es richtig los. Allein hätte ich da nicht sein wollen, weil die Hebamme und der Arzt einen eigentlich bis zu den Presswehen allein lassen und nur ab und zu nach einem schauen (der Arzt kam irgendwann gegen 11h hereingetrudelt, nachdem man ihn telefonisch informiert hatte). Später bei anderen Gebärenden habe ich es so erlebt, dass die Schwangeren bis zu den Presswehen in ihrem späteren Zimmer untergebracht wurden – sehr zum Leidwesen von uns, die es bereits hinter uns hatten, und auf Kosten unseres wertvollen Nachtschlafs... Da ich am Sonntag entbunden habe war das bei mir nicht nötig gewesen, denn im Kreißsaal, einem sonstigen Untersuchungszimmer, war ja nichts los.

Irgendwann setzte Isabella es sich in den Kopf, dass ich nun schon lange genug herumlag, und „zwang“ mich dazu einen Spaziergang im Flur zu machen. Sie wollte mich unbedingt zu einer ihrer anderen Freundinnen führen, die den Tag zuvor entbunden hatte, damit ich sehen konnte, was ich bald selbst „in den Armen halten“ würde. So schleppte ich mich durch den Flur, bekam ein Bisschen mehr Luft und sah mir unfreiwillig ein paar Babys an, die mich aber ehrlich gesagt nicht die Bohne interessierten. Ich war zu sehr mit den Schmerzen beschäftigt und mit der Frage, wann Sakis endlich kommen würde, sowie damit mich zu fragen, wie ich denn nur in diese Lage gekommen sein konnte. Sakis war unterwegs auf den Fähren und konnte zu meinem Leidwesen bei der Entbindung nicht dabei sein.

Glücklicherweise wurde Isabella gut mit der Situation und mit mir fertig, und ich durfte ihre Hand quetschen und machen, was immer ich wollte. Ich war bald der Meinung bereits Presswehen zu haben, und so war es dann auch. So wurde ich von dem einen kleinen Raum in den eigentlichen Kreißsaal geführt. Dort wurde ich auf einen Gynäkologen-Stuhl „gehievt“, mir wurden die Beine angebunden, und ich musste mich an Griffen festhalten, als es an der Zeit war zu „pressen“.

Ich habe überhaupt keine Erinnerung daran, wie lange es am Schluss dauerte, aber es kam mir vor wie nur 10 Minuten. Ich werde mich immer beim griechischen Ausdruck für „Pressen“, wenn ich ihn höre, an diese Situation erinnern. Der Arzt machte bald ohne Umschweife einen Dammschnitt, ich fühlte es kaum aber dachte es mir, und nach einiger Schimpferei des Arztes (das war sein Stil, Isabella sagte, er hätte sie dabei immer angegrinst) schlüpfte dann unser kleines Mädchen – ENDLICH!!! – um 14.20h. Zuerst fragte ich zur Sicherheit nochmal nach, ob sie auch wirklich ein Mädchen war. Ich war überrascht, wie klein sie war und dass man wirklich sofort ihr Stimmchen hören konnte. Erst räusperte sie sich, dann schrie sie los, aber nach kurzer Zeit war sie ruhig. Man hatte sie mir nur ganz kurz, noch blutig, auf den Bauch gelegt, aber dann nahm sie die Hebamme und machte sie fertig, während der Arzt mich nähte, was nochmal sehr schmerzhaft war, bis er dazu bewegt werden konnte, noch eine Ladung örtliches Betäubungsmittel zu benutzen. Isabella brach zunächst in Tränen aus und rannte hinaus, um Lucy zu informieren, die uns ja bereits gehört und ihre Schlussfolgerungen gezogen hatte, da ich ja die einzigen Entbindende war zu der Zeit. Es war ein großes Glück, dass es ein Sonntag war, denn wir hatten quasi die ganze Abteilung für uns allein, und da waren keine Horden von Schwangeren, die auf den einzigen Frauenarzt warteten.

Dann brach vorübergehend eine große Hektik aus, weil Isabella und Lucy in meinen Taschen nach Babysachen suchen mussten (etwas zum Anziehen, Handtuch und Bettwäsche). Ich war ziemlich frustriert, weil ich auf den „großen Augenblick“ wartete, in dem ich mein Baby in den Armen halten sollte. Der kam dann leider auch erst nach ca. einer halben Stunde, nachdem man uns in unser Krankenzimmer geschoben hatte. So war der „große Augenblick“ etwas unromantisch, und Sakis war auch noch nicht da. Dann war ich mit einer anderen frisch Entbundenen im Zimmer (eins der 3 Betten war noch frei, es sollte aber am nächsten Tag auch belegt werden) und wollte das Kind stillen, wovon man mir aber von allen Seiten vehement abriet – das dürfe man erst nach ca. 3 Stunden!!

Sakis war natürlich schon übers Telefon von der Geburt seiner Tochter informiert worden – sobald ich konnte sprach ich auch selbst mit ihm – und ca. 2 Stunden nach der Geburt, immerhin, traf er dann auch endlich ein. Die Zeit bis dahin verbrachte ich mit meinem Kind in meinem Arm – das mir übrigens gar nicht so zerknautscht vorkam wie die anderen Babys, die ich vorher so unwillig besichtigt hatte, sondern wie ein ganz hübsches Engelchen! – und damit, meine nächsten Angehörigen anzurufen bzw. ihnen SMS zu schreiben. Denn informieren wollte ich ja auch alle, die fiebernd mitgewartet hatten.

Sehr zum Erstaunen der anderen Leute im Zimmer hat Sakis fast immer Windeln gewechselt (sehr ungriechisch ;-)), sogar vor mir noch! Er hatte eigentlich Glück, dass er die Entbindung verpasst hat, und letztendlich denke ich, dass es besser war, dass die fröhliche, unerschrockene und pragmatische Isabella bis zum Schluss dabei war.

Irgendwie war es gut, dass da noch andere Frauen im Zimmer waren, denn sie halfen einem gern bei allem, was man so noch nicht wusste, aber da jede Frau noch etwa 10 Angehörige fast rund um die Uhr zu Besuch hatte, ging es da immer hoch her. Privatsphäre kann man ganz abschreiben, und das hat leider eine nachhaltige Wirkung auf das Stillverhältnis zu meinem Kind gehabt, ganz abgesehen davon, dass die Hebammen einem erstens rieten, nicht sofort zu stillen und dann auch noch sofort mit der Flasche ankamen mit der Behauptung, das Kind würde nicht genug Milch bekommen (nicht nur bei mir). Also mein heißer Tipp an alle Frauen: sich bloß übers Stillen genügend informieren und sich möglichst nicht reinreden lassen!

Zum Schlafen kam ich die ersten 3 Nächte, die wir im Krankenhaus verbrachten, dann auch so gut wie gar nicht. Ingesamt habe ich die 5 Nächte rund um die Geburt etwa 10 Stunden geschlafen; wie ich das ausgehalten habe weiß ich wirklich nicht. Da man in griechischen Krankenhäusern nicht so gepflegt wird wie in deutschen musste auch ein Angehöriger unbedingt rund um die Uhr dabei bleiben. Ich konnte außerdem zumindest die ersten 24 Stunden nach der Geburt nicht allein aufstehen, das Kind wickeln und so schon gar nicht. Das war dann auch für Sakis und seine Schwester, die sich abwechselten, sehr anstrengend, zumal es meist keine Möglichkeit für sie gab, sich hinzulegen. So mussten sie die Nächte durchwachen, wenn sie nicht gerade ein Bett im Flur fanden oder ein leeres Zimmer in der Nähe. Da einem dort auch absolut nichts zur Verfügung gestellt wurde mussten Sakis und Lucy auch andauernd einkaufen und etwas besorgen gehen. Für alle Frauen, die in einem staatlichen Krankenhaus in Griechenland entbinden möchten ist es wichtig zu wissen, dass sie wirklich alles (für sich und das Baby) selbst mitbringen müssen, von Windeln bis Wasser zum Trinken.

Die hygienischen Verhältnisse waren nicht so toll – z.B. gab es in keiner Toilette einen Toilettensitz oder -deckel! – , so dass ich man sich auch da behelfen musste (Desinfektions-Tücher!!), aber so schlimm war es auch nicht. Geputzt wurde zwar schon, ich würde sagen, ausreichend, wenn auch nicht besonders gründlich.

Was ich ganz besonders mochte an dem Krankenhaus war die Atmosphäre, sie war sehr liebevoll und familiär und fröhlich, und auch die anderen Frauen in meinem Zimmer und ihre Angehörigen waren sehr nett. Der Arzt war sehr gut, und wenn ich wieder ein Kind bekommen sollte, würde ich wieder nach Syros gehen. Man hatte auch alles gut im Griff und einen erstaunlichen Überblick; welcher Hebamme man auch immer begegnete, sie wusste über mich Bescheid, ohne nachfragen zu müssen.

Am dritten Tag wurden wir dann nach einigen Untersuchungen des Babys schnell entlassen. Wir fuhren zurück zu unserem Hotel und dann sofort weiter zum Notar und dann zum Standesamt. Da Sakis und ich (NOCH) nicht verheiratet sind, musste er erst beim Notar die Vaterschaft anerkennen, bevor wir zum Standesamt konnten, um das Baby registrieren zu lassen. Der Notar war übrigens ganz erstaunt, dass man uns schon entlassen hatte, bevor wir die Vaterschaftsanerkennung bei ihm durchgeführt hatten. Normalerweise muss man nämlich erst das Papier zum Krankenhaus bringen, bevor man die Entlassungspapiere bekommt. Wahrscheinlich haben sie Sakis angesehen, dass er so ein begeisterter Vater war, dass sie nicht annahmen, er würde sich aus dem Staub machen...;-)! Wir konnten ihren Nachnamen festlegen und so bekam sie beide unsere Nachnamen als Doppelnamen (ist vermutlich einfacher, wenn einer von uns mal alleine mit ihr verreisen will; ich werde meinen Nachnamen auch sowieso behalten, wenn wir heiraten):

Am 4. Tag dann, nach einer Nacht im Hotel, fuhren wir dann mit der Fähre nach Paros zurück, wo wir dann endlich auch wieder etwas mehr Schlaf bekamen. Was natürlich relativ ist, da man mit so einem kleinen Baby eigentlich doch kaum schläft... So habe ich auch ewig lange gebraucht, um – Stück für Stück – diesen Bericht zu schreiben.... GÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄHHHHHN!

Autor: Martina, am 2003-11-10 20:48:31

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