Arztsuche auf Griechisch oder - der Countdown läuft!?
Es ist nicht das erste Mal, dass ich in Griechenland zum Arzt gehen möchte, und jedes Mal läuft es nach dem gleichen Schema, aber ich kann mich nur schwer daran gewöhnen....!

Seit Anfang des Jahres bin ich schwanger und das auf einer griechischen Insel, auf der es keine großartige Klinik gibt und frau entweder nach Athen oder z.B. auf eine mit einer größeren Klinik ausgestatteten Insel fahren muss, um zu entbinden – rechtzeitig natürlich, bevor die Wehen einsetzen. Meine nette Athener Frauenärztin entbindet selbstverständlich in Athen, aber mir graut vor dem ganzen September dort, um auf das Kind zu warten, und ich vermute stark, ich würde das Kind letztendlich doch nur im Taxi (im Stau) zur Welt bringen.

Auf der Nachbarinsel jedoch gibt es eine Klinik und da ich krankenversichert bin, passt es gut, dass es eine staatliche Klinik ist. Es dürfte also nicht schwer sein, herauszufinden, welche Frauenärzte dort tätig sind, um sich dann an einen zu wenden. Also alles ganz einfach, denke ich – wie immer zuerst, bis ich wieder erinnert werde, dass in Griechenland alles doch ganz anders läuft.

Ein paar erste Erkundigungen haben ergeben, dass es in diesem Krankenhaus zwei amtierende Frauenärzte gibt, erstmal einen „alten“ und angeblich auch „grummeligen“, womit der bereits im Vorfeld durch mein persönliches Raster fällt. Bleibt also der andere – nennen wir ihn K. – deutlich jünger und angeblich sehr freundlich. Soweit, so gut!

Immer wieder sprechen wir darüber und beschließen, „demnächst mal“, wenn es zeitlich passt, auf die Nachbarinsel zu fahren und uns gemeinsam den Arzt und die Klinik „anzusehen“. Also bis dahin „nur mal eben“ Telefonnummern herausfinden und anrufen... aber, ach, verdammt, schon wieder vergessen, so funktioniert das hier doch nicht...

Schließlich muss man ja sicher gehen, dass man beim Arzt ordentlich behandelt wird und wie so vieles „läuft das nur“, wenn man jemanden hat, der einen persönlich dort vorstellt oder „einführt“. Das nehmen wir also vor ca. 3 Wochen auf mein immer stärker werdendes Drängen hin endgültig in Angriff; mein Partner kennt einen Anwalt gut, der „einen Arzt“ dieser Klinik „sehr gut“ kennt und für uns den wichtigen Anruf tätigen wird. „Demnächst mal“ war außerdem einmal April und nun ist schon fast Ende Juni, und ich als „Erstgebärende“ werde nun langsam etwas nervös. Welchen (oder welchem) der zwei Frauenärzte der Klinik der Anwalt uns empfehlen will, bleibt lange unklar, und als dieser endlich mal Zeit hat und seinen Anruf tätigen will, erfährt mein Partner leider, dass er denjenigen Arzt anrufen will, der bereits durch mein „Raster“ gefallen ist.

Ich bleibe natürlich in der Zwischenzeit nicht untätig und ziehe allein weitere Erkundigungen zum Thema ein. Ein Schock ist erstmal der Online-Bericht eines Deutschen, dessen Frau in einem staatlichen (nicht ca.-6.000-Euro-pro-Entbindung-teuren privaten) Krankenhaus in Athen vor einem halben Jahr entbunden hat. Zweifel treten auf, vielleicht wäre frau ja in Deutschland doch besser aufgehoben? Der größte Schock für mich ist die Tatsache – die im Kreißsaal gesichteten Kakerlaken beeindrucken mich nicht ganz so -, dass der Vater nicht dabei sein durfte. Wenn das im Krankenhaus auf der Nachbarinsel auch so ist, dann steht meine Entscheidung fest, gehe ich nach Deutschland.... aber es scheint – sicher ist natürlich noch nichts – dort nicht so zu sein und wir können ja hinfahren und uns genau erkundigen.

Doch haben wir aber immer noch keinen Termin. Ein Blick in unseren Kalender zeigt, dass für uns Montag in einer Woche der Tag ist, an dem wir beide am besten abkömmlich sind. Danach steht uns die Hochsaison ins Haus und da wir eine Pension führen, wird es sehr schwer für uns werden, einen geeigneten Tag zu finden, an dem wir beide zusammen fahren können. Also peilen wir diesen kommenden Montag an und haben, denke ich, mit einer ganzen Woche noch genug Zeit, bei K. einen Termin zu arrangieren.

Jetzt ist aber unser Anwalt als Referenz-Person ausgefallen und fieberhaft wird jemand gesucht, der uns bei K. einführen kann. Da tritt zufällig unsere Vermieterin auf den Plan, eine erfolgreiche Bankerin, die auf jeder Insel gewisse Leute kennt und gleich bereit ist, eine Kollegin dort anzurufen, von der sie weiß, dass deren Schwager in betreffendem Krankenhaus arbeitet. Es ist jetzt bereits Dienstag und wenn wir davon ausgehen, dass der Arzt nicht am Wochenende zu erreichen ist, haben wir immer noch bis Freitag (genug) Zeit.

Der Schwager ist aber leider nicht sofort zu erreichen und bald ist Donnerstag. Ich dränge darauf, nachdem ich übers Internet die Nummer der Klinik herausgefunden habe, doch nicht alles bis zur letzten Minute zu lassen, sondern auf „gute alte deutsche Art“ den Arzt direkt anzurufen. Das kann doch nicht so schlimm sein... ! Gleichzeitig wird mein Partner aber von unserer wirklich sehr zuverlässigen Vermieterin dringend gebeten, nicht selbst anzurufen, sondern Geduld zu haben und den Schwager für uns vorsprechen zu lassen. Mein armer Partner steht zwischen mir, der nervösen, drängenden bald den 8. Monat erreichenden Schwangeren – die mittlerweile hofft, bloß noch rechtzeitig vor der Entbindung alles unter Dach und Fach zu haben – und den üblichen Traditionen und unserer ihn an „unüberlegten“ Schritten hindern wollenden Vermieterin.

In der Zwischenzeit habe ich ein Gespräch mit einer mir unbekannten – durchs Internet vermittelten-, aber sehr hilfsbereiten Deutschen geführt, die bei K. entbunden hat und von ihm sehr begeistert ist. Am Freitag Vormittag gibt sie mir K.’s Telefonnummer in der Klinik; ich schlage zaghaft vor, ob eine Empfehlung einer Deutschen nicht ausreiche, aber mein Partner meint, nun habe er den Schwager der Kollegin unserer Vermieterin bereits bemüht – dieser werde für Montag einen Termin für uns vereinbaren, ganz sicher, am Donnerstag wäre K. nicht in der Klinik gewesen, damit der das hätte bestätigen können – und könne nun nicht mehr zurück.

Es ist bald Freitag Mittag und ich hoffe, hoffe inständig, dass dieser Schwager zuverlässig ist und uns nicht vergessen hat.

Aber endlich, endlich ist der Moment da – natürlich sind bereits alle üblichen „öffentlichen“ Arbeitszeiten vorbei – da ruft mein Partner den Schwager zur vereinbarten Zeit an und während meine Stoßgebete gen Himmel gehen, höre ich, dass wir „ganz selbstverständlich“ am Montag ab 9.30h von K. erwartet werden....!

Triumphierend schaut mein Partner mich an, wofür hätte ich mir denn solche Sorgen (und ihm das Leben schwer) gemacht?!? Mich beschleicht langsam aber sicher das Gefühl, die Griechen brauchen diese Unsicherheit wie andere die Luft zum Atmen! Vielleicht muss ich alles bloß ganz anders sehen und lernen, sie als das Prickeln, das das Leben erst spannend macht, anzusehen....?!?!

Aber, wie man so schön sagt, Ende gut, alles gut! Wir sind fast am Ziel und vielleicht, vielleicht haben wir jetzt endlich den richtigen Arzt gefunden und der ganze Stress hat sich gelohnt! (Und der nächste Bericht folgt bestimmt...)
Autor: Martina, am 2003-10-19 19:24:14

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