Griechische Tomaten
Der wahre Grund, warum ich in Griechenland lebe, sind die griechischen Tomaten, auch wenn mir das niemand glauben mag. Aber ich will mal von vorne anfangen. Ursprünglich hatte ich Hummeln im Hintern und wollte in die Sonne, und da es mir Griechenland im Urlaub äußerst angetan hatte, habe ich eben eines Tages meine Sachen gepackt und bin Richtung Griechenland "ausgewandert". Es sollte ein Abenteuer werden, ohne dass ich mir darüber im Klaren war, ob ich bleiben wollte oder nicht, aber dann kam mir die Liebe dazwischen, wie das eben so ist, und ich bin auf Paros geblieben.

So richtig bewusst habe ich die griechischen Tomaten erst später entdeckt. Es war eine Offenbarung.

Griechische Tomaten schmecken, wie Tomaten eigentlich schmecken sollen. Wenn ich mich recht erinnere, sind Tomaten nicht Gemüse, sondern Obst. Jedenfalls schmecken sie so – süß, saftig und sonnig. Man erkennt sie an ihrer tiefroten Farbe und ihrem ungleichmäßigen Äußeren. Sie sind mal groß, mal klein, mal oval, mal rund, mal herzförmig, und sie haben ein richtiges Tomatenaroma.

Einmal, da war ich schon längst griechische-Tomaten-süchtig, blieb mir im Supermarkt das Herz stehen, denn dort war eine Auslage mit hellrosa, völlig gleich großen und –förmigen Tomaten. Panik überfiel mich. Nun hatten sie mich eingeholt, die holländischen Tomaten aus meiner Heimat. Ganz misstrauisch frage ich den Gemüseverkäufer, woher denn die Tomaten kämen. Ich wusste es ja schon, wollte aber nur sicher sein. Tatsächlich, aus Holland (zugegeben, es war Hochsaison, und es hatte einen Tomatenengpass gegeben). Er fand es sehr lustig, dass ich die Nase rümpfte und ihn fragte, ob er auch griechische Tomaten hätte. Ich war sehr erleichtert, als er mir in einer Ecke eine Kiste mit meinen geliebten, unförmigen griechischen Tomaten zeigte. Seitdem hatte ich meinen Ruf weg. Ich brauchte nur in die Nähe der Tomatenauslage zu kommen, da warnte mich der Gemüseverkäufer schon mit erhobenem Zeigefinger, mich nicht weiter zu nähern. Für gewöhnlich sagte er mir dann gleich, wo ich "meine" Tomaten finden würde.

Dieser Schock war mir eine Lehre, und nun habe ich vorgesorgt und weiß genau, in welchen Geschäften ich auch in der Hochsaison "meine" Tomaten bekomme (vorzugsweise direkt von der Insel!) und in welchen Tavernen man ebenfalls Wert darauf legt. Fast nichts frustriert mich mehr als ein griechischer Bauernsalat mit holländischen Tomaten. Eine Taverne, die mir so etwas andreht, sieht mich kein zweites Mal; da gibt es für mich kein Erbarmen, weder Hochsaison noch Tomatenengpass.

Immer, wenn ich mit meinem Verlobten essen gehe und wir wieder die leckersten griechischen Tomaten essen, sage ich verschmitzt lächelnd: "DAS ist der WAHRE Grund, warum ich in Griechenland lebe." – Liebe geht durch den Magen, oder nicht?

Aber nicht nur die Tomaten schmecken gut! In meiner Heimat habe ich Gurke pur verabscheut, igitt, aber hier haben sie richtig Geschmack – man kann sie sogar roh essen! Mein erster Krautsalat war ebenfalls eine Offenbarung. Höchst erstaunt war ich, und bin es jedes Mal wieder, dass einfach frischer Kohl mit ein bisschen Karotte, Olivenöl, Zitrone und Salz so gut schmecken kann! Oder Blumenkohl, einfach gekocht, wieder Olivenöl, Zitrone und Salz dazu, sooo schmackhaft! Ein Versuch, meinen Eltern in Deutschland einen "leckeren" Blumenkohl auf diese Art zuzubereiten, scheiterte kläglich, ich hatte nämlich vorübergehend vergessen, dass der Blumenkohl ja Eigengeschmack haben muss.

Von griechischen Restaurants in Deutschland habe ich in Erinnerung, dass es dort hauptsächlich Fleisch gab, und darum bin ich nur sehr selten Griechisch essen gegangen. Dass in Griechenland so viel mit Frischkost zubereitet wird und es darum kein Land "nur für Fleischesser" ist (wie viele denken), habe ich erst hier verstanden. Die Griechen verbrauchen pro Kopf ca. doppelt so viel Gemüse und Obst wie die Deutschen, das habe ich mal in irgendwelchen Statistiken gelesen.

Nun wissen also alle, dass ich gern esse ;-). Wer ein paar Tipps haben möchte, was die griechische Küche angeht, der kann sich gern auf meiner Website diese Seite anschauen: Essen und Trinken

Ach, übrigens, im Anschluss noch ein Zitat von Max Frisch:

"Scherz ist die drittbeste Tarnung. Die zweitbeste: Sentimentalität. Aber die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Die glaubt niemand."
Autor: Martina, am 2002-02-12 13:42:42

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